Über den Dächern von Weiden

Von wegen: Frauen und Technik, das passt nicht. Magdalena Fichtner beweist, dass es funktionieren kann. Sie lernt als einzige Frau in der Oberpfalz den Beruf des Kaminkehrers. Das ermöglicht ihr vieles: heimatnah arbeiten und beste Aussichten auf einen sicheren Arbeitsplatz.

(sbü) Magdalena Fichtner aus Wildenreuth (Landkreis Tirschenreuth) ist derzeit die einzige Frau in der Oberpfalz, die eine Ausbildung als Kaminkehrerin macht. Sie hat ihren Wunschberuf gefunden. "Ich habe auch früher schon immer gerne gewerkelt", sagt sie spontan, ergänzt dann aber: "Das Einzige, was mich stört, ist vielleicht manchmal Regen und Sturm". Nach dem Hauptschulabschluss absolvierte sie eine Ausbildung als Konditorin, "aber ich sah in unserer Region keine berufliche Zukunft".

Es ist ein stürmischer Tag, an dem wir die 25-Jährige und ihren Ausbilder, Kaminkehrermeister Manuel Schätzler, begleiten. Wir wollen Einblicke in den normalen Arbeitstag eines Kaminkehrers gewinnen. Über eine lange Stahlleiter gelangen wir auf das Dach eines Weidener Mehrfamilienhauses. Regen und Windböen erschweren uns die Sicht, doch Magdalena strahlt Ruhe und Zufriedenheit aus.

Während Fichtner unter den prüfenden Augen ihres Kaminkehrermeisters aus Weiherhammer (Kreis Neustadt/Waldnaab) das Seil mit dem Kehrgerät Stück für Stück 30 Meter in die Tiefe des Kamins hinabgleiten lässt, erklärt sie ihre Handwerksgegenstände: "Es gibt Kehrgeräte mit einer Federeinlage für Edelstahl-Kaminzüge und mit Stahleinlage für gemauerte Kaminzüge". Dann zieht sie das lange Seil mit dem runden Ein-Kilo-Gewicht wieder nach oben, wickelt es über ihre Schulter und geht zum nächsten Kamin. "Ab Herbst bin ich alleine im Einsatz, dann brauchen mich Meister oder Geselle nicht mehr zu begleiten" erzählt sie stolz auf dem Weg dorthin.

Hoheitliche Aufgaben

Nachdem die Arbeit auf dem Dach erledigt ist, geht es einige Etagen tiefer. Im Keller des Wohnblocks werden die "Kehrergebnisse" mit der Kehrschaufel aus den einzelnen Kaminöffnungen geholt. Kaminkehrermeister Schätzler passt genau auf, dass Magdalena in den Kellerräumen keinen Kamin vergisst. Am Boden kniend und mit der Schaufel in der Hand erzählt Magdalena: "Ein Büroberuf, das wäre nichts für mich. Da sitzt man ja den ganzen Tag immer an derselben Stelle." Das Kehren ist nur ein Teil der Arbeit eines Kaminkehrers. Schornsteinfeger sind Dienstleister, vor allem für Heizungstechnik.

Weiden und das Weidener Umland sind in insgesamt sechs Kaminkehrerbezirke aufgeteilt. Schätzler und seine zwei Angestellten kümmern sich um einen davon. "Man muss sich für die Bezirke bei der Regierung bewerben, die teilt einem dann ein bestimmtes Gebiet für sieben Jahre zu", erklärt der Kaminkehrermeister.

Zum Alltag eines Kaminkehrers gehört auch die Erledigung hoheitlicher Aufgaben. Das bedeutet, der Schornsteinfeger erfüllt staatliche Dienste, die ihm von der Regierung aufgetragen werden. Dazu zählt unter anderem die Abgasmessung an Heizungen.

Es ist Zeit für eine kurze Verschnaufpause, der Mittag ruft. Die kurze Auszeit verbringen wir in der neuen Werkstatt des Kaminkehrermeisters in Weiherhammer. Dort erfahren wir mehr über die Oberpfälzerin. Da Kaminkehrerin bereits ihr zweiter Ausbildunsgberuf ist, wurde ihre Lehrzeit auf zwei Jahre verkürzt. "Als Frau kann ich genauso als Kaminkehrerin arbeiten wie jeder Mann. Und schwere Sachen muss ich nicht tragen", erklärt die 25-Jährige.

Kaminkehrermeister Schätzler erklärt, wie Fichtner zu ihm kam. "Händeringend suche ich schon seit zwei Jahren einen Lehrling. Der Cousin von Lena hörte mein Stellenangebot auf Radio Ramasuri. Und weil er selbst Kaminkehrer ist, hat er Lena empfohlen sich zu bewerben." Die 25-Jährige ist der erste weibliche Lehrling, den Schätzler in seiner Laufbahn als Kaminkehrer ausbildet. Zuerst musste sie jedoch ein Praktikum absolvieren, um festzustellen, ob sie auch wirklich für den Beruf geeignet ist. "Es ist wichtig, schwindelfrei zu sein, wenn man auf den Dächern arbeitet", erklärt Schätzler.

Als Frau keine Nachteile

Fichtner und ihr Ausbilder "sind hochzufrieden". Die junge Frau widerlegt alle Vorurteile, die Mädchen von gewerblich technischen Berufen abhalten. "Der Ruß an den Händen ist abends komplett weg. Man kann auch lange Fingernägel haben und sie sogar lackieren." Außerdem habe es nur Vorteile, den ganzen Tag auf den Füßen unterwegs zu sein: "Da bleibt man schlank und fit."

Neben der praktischen Arbeit auf den Dächern der Stadt besucht Magdalena die Berufschule in Dietfurt (Landkreis Neumarkt). Sie ist begeistert, wie gut die Ausbilder vor Ort die technischen Aspekte des Berufes vermitteln können. "Ich habe einen super Beruf. Als Frau werden ich von den Kunden gut angenommen. Außerdem verdiene ich jetzt im 1. Lehrjahr so viel wie damals während meiner Konditorenausbildung im 3. Ausbildungsjahr", sagt Magdalena zum Abschied.
Weitere Beiträge zu den Themen: April 2015 (8563)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.