Überraschender Sinneswandel - Gericht bestellt zudem Psychiater zur Begutachtung
Mallorca-Millionär will aussagen

(ca) Wolfgang Artur Franz S. (68) will endlich auspacken. "Die Wahrheit kenne ich und die werde ich Ihnen sagen", kündigte der Angeklagte im Millionen-Betrugsprozess am Montag überraschend der 1. Großen Strafkammer an. Der Verhandlungstag am Dienstag, 25. November, ist jetzt für ihn reserviert. Zudem kündigte Landgerichtspräsident Walter Leupold an, dass das Gericht einen Psychiater hinzuzieht. Dafür konnte Dr. Johannes Schwerdtner, Chefarzt am Bezirksklinikum Main-kofen, gewonnen werden, der ebenfalls am 25. November der Verhandlung beiwohnen wird.

Schwerdtner wird den 68-Jährigen auch in der JVA Weiden untersuchen. Leupold begründete das diplomatisch: Es bestehe die "theoretische Möglichkeit", dass es das Millionenvermögen gar nicht gibt, aber der Angeklagte fest daran glaubt. "Das wäre dann nicht sehr real", sagte der Vorsitzende Richter, "wir sehen uns in der Pflicht, das abzuklären."

"Zu Unrecht"

Der 68-Jährige Angeklagte, zuletzt wohnhaft auf Mallorca und seit 20 Monaten in U-Haft in Weiden, hat bisher nichts zu den Betrugsvorwürfen gesagt. Dafür entschuldigte er sich am Montag, dem 23. Verhandlungstag, und begründete sein Schweigen: "Ich bin vom ersten Tag der Verhaftung als unglaubwürdig hingestellt worden." Natürlich zu Unrecht. Er bleibt dabei: Alles wird sich aufklären, er sei kein Betrüger. Für einen Betrüger halten ihn die zwei Zeugen vom Montag schon sehr lange: der Bruder des Hauptgeschädigten und dessen Anwalt. Der Bruder (65) hatte im Familienunternehmen nach dem Tod des Vaters 1991 den technischen Part übernommen, während sein Bruder Michael (51) sich um die Finanzgeschäfte kümmerte.

Das ging auch lange gut. Die Firma (1969 gegründet) im Landkreis Tirschenreuth stand gut da, hatte ein ordentliches finanzielles Polster. Erst mit Zeitverzug ahnte der ältere Bruder 2011, dass Firmengelder verschwanden. An dem Tag, an dem er die enorme Schadenshöhe erfahren habe, "konnte ich nur noch mit dem Kopf schütteln", erinnert sich der Maschinenbautechniker. Der jüngere Bruder hatte vom Firmenkonto über 7 Millionen Euro auf Konten bezahlt, die ihm Wolfgang S. genannt hatte.

Aufgeflogen war das Loch in der Firmenkasse, als sich der Ältere 2011 seine Anteile für 6,7 Millionen Euro auszahlen lassen wollte. Die Brüder hatten schon einen Vertrag beim Notar geschlossen. "Zu unserer Überraschung ist die Zahlung dann nicht erfolgt", berichtete der Anwalt vor Gericht. "Instinktiv" roch er den Betrug und warnte schon damals: "Da läuft irgend etwas ganz Übles."
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