Übersetzerin bedroht: Prozess stockt

Die Übersetzerin für Tschetschenisch im Schleuser-Prozess fühlt sich bedroht und hat das Handtuch geworfen. Die Österreicherin (22) fürchtet um Leib und Leben. Dies wurde aus Verteidigerkreisen bekannt.

Damit steht die 1. große Strafkammer vor ungeahnten Schwierigkeiten: In ganz Deutschland ist kein Dolmetscher aufzutreiben, der bereit wäre, Beweismittel gegen Landsleute zu übersetzen. Konkret handelt es sich um aufgezeichnete Telefongespräche. Sie sind ein wichtiges Beweismittel, mit dem die Staatsanwaltschaft die fünf Angeklagten des bandenmäßigen Einschleusens von 175 Tschetschenen überführen will.

Ein Übersetzer wäre zumindest bereit, die TKÜ im stillen Kämmerlein anzuhören und schriftlich zu übersetzen. Diese Protokolle wollte Vorsitzender Walter Leupold dann in der Hauptverhandlung verlesen. Dagegen legten einige Verteidiger ihr Veto ein. Ein Kölner Anwalt stellte zudem einen Befangenheitsantrag gegen Leupold. Noch während dieser bearbeitet wurde, reichte er ein Ablehnungsgesuch gegen alle drei Richter der Kammer ein. Sie haben jetzt Gelegenheit zur Stellungnahme, ehe andere Richter darüber befinden.

Eine Entscheidung fiel am Donnerstag nicht mehr, gegen 16 Uhr wurde der Prozesstag abgebrochen. Der Ermittlungsleiter der Bundespolizei München, als Zeuge geladen, fuhr unverrichteter Dinge wieder ab.
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