Übertritt: Druck auf Viertklässler wächst - Freitag Zwischeninfo über Leistungsstand
Note 3 ist der Weltuntergang

Wir dürfen nicht nur als Zulieferer fürs Gymnasium betrachtet werden.
Sie ersetzt in der vierten Klasse das Zwischenzeugnis. Am Freitag, 23. Januar, erhalten die Viertklässler diese Zwischeninformation über den Leistungsstand. Silvia Bäumler, Leiterin der Clausnitzerschule, warnt davor, sie überzubewerten: Es handle sich lediglich um "eine vorläufige Aussage zum aktuellen Notenstand". Dennoch kann der Zettel für mächtig Unruhe in den Familien sorgen. Zeigt er doch, ob die Noten für den Übertritt auf eine weiterführende Schule reichen. Wehe, wenn nicht ...

32 Wege führen laut Kultusministerium zum Abitur. Warum also der ganze Stress in der vierten Klasse?

Silvia Bäumler: Weil für die Eltern oft nur der direkte Weg interessant ist. Obwohl wir schon beim Elternabend in der dritten Klasse auch die 31 anderen Möglichkeiten erwähnen.

Üben die Eltern viel Druck aus?

Bäumler: Wir stellen fest, die Mehrheit der Viertklässler lernt wirklich sehr viel. Aber am Druck sind wir alle schuld. Sogar die Großeltern fragen: "Auf welches Gymnasium gehst du denn mal?" Das sagt schon viel über den Druck von außen aus. Aber auch unter den Klassenkameraden herrscht zunehmend Konkurrenz. Noten spielen eine enorme Rolle. Eine Drei ist schon ein Weltuntergang.

Und ein Grund für Eltern, beim Lehrer um Noten zu feilschen?

Bäumler: Elterngespräche sind in dieser Zeit stressig für die Lehrer. Oft bekommt man bereits in der dritten Klasse zu hören, wir wollen das Beste für unser Kind - und das ist das Gymnasium. Nicht selten leidet die ganze Familie unter dem Lernstress. Selbst am Wochenende wird nur gepaukt. Aber wenn bereits in der Grundschule so unheimlich viel aufgewendet werden muss ... (Kopfschütteln). Am Ende tun uns nur immer die Kinder leid. Sie sind es, die bei uns im Mittelpunkt stehen. Wir dürfen nicht nur als Zulieferer fürs Gymnasium betrachtet werden, denn wir sollen nicht nur Wissen vermitteln sondern auch Herz und Charakter bilden.

Allerdings haben Sie mit bis zu 80 Prozent die höchsten Übertrittsquoten der Stadt. Woher kommt's?

Bäumler: Wir liegen hier in Weiden-Ost in einer gut situierten Gegend. Die Kinder werden von zu Hause viel gefördert. Es wird, falls nötig, Nachhilfe genommen. Trotzdem sind wir frei zu sagen, was wir als das Beste fürs Kind erachten. Oft zeichnet sich schon in den ersten beiden Klassen ab, ob das Kind ein typischer Gymnasiast ist. Fleiß allein reicht nicht.

Wie einsichtig sind die Eltern?

Bäumler: Am Ende entscheiden immer die Eltern über die Schullaufbahn. Ihr Wille ist ausschlaggebend.

Aber braucht es nicht einen gewissen Notendurchschnitt - 2,33 fürs Gymnasium, 2,66 für die Realschule?

Bäumler: Das stimmt. Letztlich aber kann ein Kind unter gewissen Voraussetzungen auch mit zwei Vierern das Gymnasium besuchen - wenn es die Eltern so wollen.
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