"Ultras" aus gutem Hause

"Ultras, Ultras" und "weiter, weiter" skandierte eine Meute von etwa 15 Personen in der Silvesternacht in der Adenauer-Anlage. Einer aus ihrem Lager hatte einen 25-Jährigen niedergeworfen, ihm den Kopf in den Schnee gedrückt und "wie ein Affe" auf ihn eingeschlagen.

Weiden. (rns) Am Ende soll ein weiterer gekommen sein, der dem Opfer am Boden mit voller Wucht ins Gesicht trat. "Wir dachten, mein Freund wäre tot", sagte eine Zeugin. Staatsanwaltschaft Peter Frischholz klagte am Mittwoch vor dem Jugendschöffengericht unter Vorsitz von Richter Otmar Schmid zwei Männer, die der "Supporters Ultra Fan Gruppierung" angehörten, der gefährlichen bzw. vorsätzlichen Körperverletzung an.

Es handelte sich um einen 20-jährigen Lehramtsstudenten, damals Abiturient, der den Weidener grundlos zu einem 1:1-Kampf aufgefordert haben soll und ihm am Ende "wie bei einem Elf-Meter-Schuss" ins Gesicht getreten haben soll. Und um seinen Kumpel, einen 21-jährigen Fachinformatiker, der das Opfer dazwischen in den Schnee geworfen hatte. Nach dem Tritt mit dem Fuß war das Opfer sekundenlang bewusstlos gewesen. Gesichtsknochen waren gebrochen. Noch heute leidet der Student an Sehstörungen. Prof. Dr. Peter Betz (Universität Erlangen) bescheinigte lebensgefährliche Verletzungen.

Der 20-jährige Lehramtsstudent aus dem Landkreis hüllte sich in Schweigen. Der 21-Jährige, vertreten durch Rechtsanwalt Engelbert Schedl, erklärte, dass er in einer Disco in der Judengasse per WhatsApp erfahren habe, dass es "draußen Ärger" gebe. Der 25-Jährige habe ihm grundlos und unvermittelt einen Kopfstoß verpasst und eine Bierflasche nach ihm geworfen. Daraufhin habe er ihn mit einer Drehbewegung zu Boden geworfen und in den Schnee gedrückt, "dass er Ruhe gibt".

Den Fußtritt habe nicht der andere Angeklagte ausgeführt. Diesem solle damit "etwas reingedrückt" werden. Er selbst sei bei dem Fußtritt nicht mehr in der Nähe gewesen: Er habe sich zu diesem Zeitpunkt die blutende Nase in einem Pub abgewaschen.

Als Zeugen schilderten der Geschädigte, seine Freundin und eine Begleiterin den Tathergang wie in der Anklage. "Wie Psychopathen" hätten sich die "Ultras" aufgeführt, als sie die beiden Angreifer anfeuerten, berichtete Letztere. Ein Dritter, der von einem Beschuldigen in der 14-tägigen Untersuchungshaft des Trittes bezichtigt wurde, sei es auf keinen Fall gewesen.

Der bis in die Abendstunden dauernde Prozess wird am 14. Dezember, 13 Uhr, fortgesetzt. Aufschlussreich werden Whatsapp- und Facebook-Nachrichten sein, die von Kriminalbeamten wieder hergestellt werden konnten. Die jungen Leute schrieben sich nach der Tat und löschten die Einträge später, als ermittelt wurde. Zudem sind etliche Zeugen geladen.
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