Urwald im Sauerbachtal

Stadtförster Hans Winter (rechts) entführte die Stadträte bei der Waldbegehung auf die sensiblen Aufforstungsflächen der ehemaligen Mülldeponie in Weiden-West. Bild: hfz

Der Stadtwald am Sauerbach wird intensiv forstlich genutzt. Aber er sieht doch mehr wie ein Urwald aus. Was sich zunächst wie ein krasser Widerspruch anhört, bekamen die Stadträte bei der Waldbegehung eindrucksvoll vor Augen geführt.

Doch zunächst ging es auf die Deponie Weiden-West, wo Stadtförster Wolfgang Winter die Methoden und den derzeitigen Stand der Bewaldung erläuterte: Auf nahezu 18 Hektar müsse schnell ein dichter Wald entstehen, der in der Lage ist, sämtliches Niederschlagswasser, das im Laufe eines Jahres auf die Fläche fällt, zu verdunsten.

Neuntöter verschwindet

Das werde sicher noch ein paar Jahre dauern. Aber bereits jetzt sei deutlich zu sehen, dass die Gehölze "nach Anzahl und Artenreichtum" in der Lage sein werden, einen stufigen, dichten Wald zu bilden. Die Ergebnisse jährlicher Stichprobenzählungen durch die städtischen Forstwirte bestätigen diese Annahme. Die lichten Bestände auf der Deponie werden sich bald schließen, und die dort brütenden Neuntöter werden verschwinden, weil sie in offenen Heckenlandschaften leben.

Bürgermeister Jens Meyer leitete die Exkursion. Stadtförster Winter berichtete, dass der Verkauf des Großteils des Stadtwaldes an die Stadtwerke abgeschlossen ist. Die Forstabteilung der Stadt bewirtschaftet weiterhin die Flächen.

Dschungel hinterm Schätzler

Ein Laubwaldbestand am Sauerbach hinterm Schätzlerbad macht den Eindruck eines undurchdringlichen Dschungels. Aber er ist dennoch ein intensiv bewirtschafteter Wald: Im letzten Jahr konnten 100 Festmeter Holz geerntet und verkauft werden. Ziel der Maßnahme sei neben dem Verkauf des Holzes vor allem die Förderung der gerade und astfrei gewachsenen Eschen, Ahorne und Linden. "Hier wollen wir ja irgendwann einmal starkes und wertvolles Holz ernten." Dass der auf diese Art intensiv bewirtschaftete Wald dennoch sozusagen nebenbei wichtige Schutzfunktionen erfülle, sei der Beachtung einiger forstlicher Regeln geschuldet. So sei bei der Rückung des Holzes die Technik auf die Bodenverhältnisse abzustimmen, Bäume mit Spechthöhlen bleiben grundsätzlich stehen, und auch ein Teil des Holzes bleibt als "Totholz" für Spechte, Pilze und allerhand Krabbler im Wald.

Zum Abschluss der Wanderung zeigte Winter eine Biberburg am Ufer des Sauerbaches. Er erklärte, dass "Meister Bockert" bachabwärts einen Damm errichtet habe, mit dem er dafür sorgt, dass die Burg immer einen konstanten Wasserstand habe. Das habe dazu geführt, dass ein Teil des Waldes so durchnässt sei, dass vor allem Linden und Berg-Ahorn absterben, weil sie mit dem dauernassen Boden nicht zurechtkommen.

Als Ausgleich für diesen wirtschaftlichen Nachteil gewähre die Forstbehörde eine finanzielle Förderung des "Nutzungsverzichtes in Biberlebensräumen". Diese Förderung sei auf fünf Jahre befristet. Einer dauerhaften Stilllegung von Waldflächen, wie sie derzeit von verschiedenen Gruppierungen generell gefordert werde, erteilte Winter eine klare Absage: Wenn in Deutschland etwa fünf Prozent der Waldfläche dauerhaft stillgelegt würden, führe das automatisch zur intensiveren Nutzung der übrigen Flächen oder gar zu mehr Holz-Import aus Ländern, "wo sicher nicht immer so rücksichtsvoll mit der Natur umgegangen" werde.

Das beste Rezept für den Wald sei "Schützen durch Nützen", was die besichtigten Wälder bestätigten.
Weitere Beiträge zu den Themen: Juli 2015 (8669)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.