US-Armee organisiert Friedhofsbesuch im Übungsplatz
Totengedenken im Sperrgebiet

Auf dem Haager Friedhof im Übungsplatz Grafenwöhr beteten Gläubige an den Gräbern ihrer Vorfahren. Bild: mor
"Wenn wir ferne sind und weit, wer wird denn am Grabe beten zur Allerseelenzeit?": Die Frage aus den Versen des Haager Heimatdichters Erhard Trummer beantworteten Gläubige bei einem Besuch der Friedhöfe im Sperrgebiet des Übungsplatzes Grafenwöhr. Pressesprecher Franz Zeilmann, sein Kollege Andreas Kreuzer und Oberstleutnant William Rieper von der Garnison Bavaria begleiteten die Teilnehmer. Alljährlich gibt die US-Armee Gläubigen die Möglichkeit, die Gräber ihrer Vorfahren auf den Friedhöfen der ehemaligen Übungsplatzdörfer in Haag und Langenbruck zu besuchen.

Ein Blick zurück

Auf der Fahrt dorthin gab Franz Zeilmann Informationen zur Geschichte und zu aktuellen Entwicklungen im Südlager. 1992 haben Bundeswehr, Forst und Amerikaner den Friedhof von Haag wieder hergerichtet. Seither gibt es auch die Gräbergänge in den Tagen rund um Allerheiligen. Werner Stubenvoll, dessen Urgroßvater die Haager Chronik verfasst hat, begrüßte die Gruppe auf dem Haager Gottesacker. Er ging kurz auf die Geschichte des Ortes ein, die 1938 mit der Erweiterung des Übungsplatzes endete. Seit 1414 existierte der Friedhof, auf dem auch die Gruft der Familie Grafenstein stand - der Besitzer der Brauerei in Hammergänlas.

Für die Geistlichkeit sprach Norbert Riha aus Sorghof, bekannt als "Bruder Norbert", mit den Gläubigen Gebete an den Gräbern. Gedacht wurde dabei auch der beiden Männer, die in der vergangenen Woche beim Zugunglück in Freihungsand am Südrand des Übungsplatzes ihr Leben verloren haben. Die Besucher legten Blumen an den Ruhestätten in der verlassenen Heimat nieder und stellten Grablichter auf.

Bewundert wurden die kunstvoll gestalteten Grabmäler aus Sandstein, die seit der Sanierung 1992 wieder auf ihren alten Plätzen stehen und der Verwitterung trotzen. Mit dabei waren auch die Nachkommen von Georg Stümpfl aus Grafenwöhr. Der Stümpfl-Girch wurde in Bergfried bei Haag geboren und zimmerte als gelernter Schreiner bei der Sanierung der Anlage auch das Friedhofskreuz. Gepflegt wird das Gelände nun von der Bundeswehr in Grafenwöhr.

Alte Haager Sagen

Genutzt wurde der Besuch in Sperrgebiet auch zu einem geschichtlichen Austausch. Kreisheimatpflegerin Leonore Böhm aus Grafenwöhr erinnerte an die Sagen aus dem Haager Gebiet. In den Vilsecker Rose-Barracks hielt die Gruppe Ausschau nach den alten Kilometersteinen des aufgelassenen Dorfs Kittenberg - heute am Ortseingang von Sorghof zu finden.

Die Rückfahrt führte vorbei an der Wüstung Hellziechen nach Langenbruck. Ein zweigeteilter Granitstein mit einem Kreuz, dort wo einst die Langenbrucker Kirche St. Wolfgang stand, weist heute neben dem Friedhof auf den Ort hin. Die Ruhestätten, auf einer Anhöhe im Wald des Südlagers, wurden gleich nach der Absiedlung vom US-Sergeant Abraham weiter gepflegt und sind damit ebenfalls noch gut erhalten.
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