Verbotene Liebe

Das Datum, als sie zum ersten Mal Sex miteinander hatten, ließ sich der 27-Jährige auf den Hals tätowieren. Seine Geliebte war ein Kind - gerade 13 Jahre alt. Dafür muss der Mann jetzt ins Gefängnis.

Die Schülerin sah aus wie 16, 17. Es war zweifelsohne eine "Liebesbeziehung". Das Datum, an dem es zum ersten Mal zum Sex zwischen beiden kam, ließ sich ein 27-Jähriger, verziert mit Blümchen, auf den Hals tätowieren. Am Donnerstag verurteilte ihn die 3. Jugendkammer des Landgerichts zu drei Jahren und neun Monaten. Seine Freundin war erst 13 gewesen.

Im Januar letzten Jahres hatte der in Nordrhein-Westfalen gemeldete Mann das Mädchen in Weiden kennen gelernt. Obwohl ihre Großmutter beide schon gewarnt hatte, dass "es" noch strafbar sei, kam es im April zum ersten Geschlechtsakt. Es folgten weitere. Häufiges Schulschwänzen, Frauenarztbesuche und aus der Pubertät resultierende Probleme mit der Mutter veranlassten diese, zur Polizei zu gehen. Zuvor hatte sie das Pärchen beim Zungenkuss. Nachdem der gebürtige Weidener Untersuchungshaft gelandet war, ließ die nunmehr fast 14-Jährige auf Drängen ihrer Mutter und Großmutter einen Schwangerschaftsabbruch machen. Das Datum ließ sie sich ins Handgelenk tätowieren. Laut Aussage der sachbearbeitenden Polizeibeamtin ein Zeichen für die psychische Belastung.

Wie zwei Kinder

Landgerichtsarzt Dr. Bruno Rieder berichtete über den Lebenslauf des im Heim aufgewachsenen 27-Jährigen. Er sei voll schuldfähig, obwohl er in seiner Entwicklung stark zurückgeblieben sei. Der SMS-Verkehr zwischen den beiden Verliebten offenbare, "dass sich hier zwei Kinder unterhalten", sagte der Facharzt für Psychiatrie.

Auch wenn diese Unreife vorliege und kein Druck hinter der Forderung nach dem Vollzug des Geschlechtsverkehrs gestanden habe, sei doch besonders der große Altersunterschied verwerflich, meinte Staatsanwaltschafts-Gruppenleiter Hans- Jürgen Schnappauf. Auch die zahlreichen Vorstrafen, darunter eine wegen einer ähnlichen Tat wie die angeklagte, im Alter von 17 Jahren begangen, sprächen gegen den jungen Mann. Da die Geschädigte zum Zeitpunkt des ersten Geschlechtsverkehrs schon sexuell erfahren gewesen war und das 14. Lebensjahr fast erreicht hatte, ging Schnappauf von einem minder schweren Fall aus. Er forderte viereinhalb Jahre.

Kein "klassischer Fall"

Rechtsanwalt Rainer Deuerlein (Lauf/ Pegnitz) wies darauf hin, dass hier nicht der "klassische Fall des Kindsmissbrauchs" vorliege ("Onkel vergreift sich an kleinem Kind"). Vielmehr habe es sich hier um eine fast normale Liebesbeziehung gehandelt - nur dass eben die Frau noch ein Vierteljahr zu jung war. Der Verteidiger plädierte auf die Mindeststrafe, die laut Gesetz in Frage kommt: drei Jahre. Die Richter Reinhold Ströhle und Thomas Hys urteilten nicht so milde. In den drei Jahren und neun Monaten sind fünf Monate, die der Angeklagte noch aus einer Reststrafe abzusitzen hat.
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