Vereinskartell enttäuscht über mangelnde Unterstützung beim Projekt Ortsteilzentrum Hammerweg
"Und keiner will wirklich helfen"

Der Stadtteil Hammerweg zählt 5703 Einwohner, ist damit fast so groß wie Neustadt (5858). Die Kreisstadt hat eine Stadthalle. Der Hammerweg hat nichts, nicht mal ein Lokal, in dem sich 60 Leute zusammensetzen können, klagt Hubert Heckl, der Vorsitzende des Vereinskartells Hammerweg. Das Kartell repräsentiert 1100 Mitglieder in acht Vereinen und Verbänden. Der Stadtteil, übrigens der kinderreichste Weidens, brauche dringend ein Ortsteilzentrum: Den Vereinen "bröselt" der Nachwuchs weg.

Die Hammerweg-Schützen, die ebenfalls Hubert Heckl führt, sind dafür "leider ein gutes Beispiel". Als ihnen im August 2009 der neue Besitzer das "Waldheim" kündigte, schossen noch 15 Jugendliche im Verein. Seit vier Jahren werden die Hammerweg-Schützen auf der Anlage des Patenvereins in Altenstadt/WN "geduldet". "Aber unsere ganze Jugend hat sich inzwischen verlaufen", stellt Ehrenmitglied Peter Haring fest. "Den anderen Vereinen geht's genauso. Wenn die Stadt nicht will, dass das Vereinsleben am Hammerweg stirbt, muss sie endlich etwas tun. Die Vereine brauchen ein Heim."

Die Hammerwegerer sind ja bereit, sich zu gedulden. Sie behelfen sich mit dem Café Hägler, das allerdings für größere Treffen zu klein ist. Oder sie weichen ins Pfarrheim St. Konrad oder ins Gemeindehaus St. Markus aus. Allerdings fällt dort für einen Abend bereits eine "Gebühr" von 150 Euro an. "Das können sich die meisten unserer gemeinnützigen Vereine nicht leisten." Die Schützen etwa hätten jährlich zwei bis drei größere Veranstaltungen. "Müssten wir diese Preise zahlen, wären wir pleite."

Selbst viel versucht

Helfen könne nur die Stadt. Mit deren Versprechen, das Anliegen zu unterstützen, gründete sich vor vier Jahren "mit großer Euphorie" das Vereinskartell Hammerweg. Heckl sprach bei vielen Eigentümern von geeigneten, ungenutzten Immobilien vor: Fitness-Studio, Schlecker-Markt, Heizungsbaufirma und eine Metzgerei "klapperte" Heckl vergeblich ab. Und daran hat sich nichts geändert.

Obwohl ein Sanierungskonzept vorliegt, blieben die Türen zum Glötzner-Stüberl des Turnerbundes verschlossen. Der Turnerbund selbst ist übrigens nicht Mitglied im Kartell. Die Sanierung des Glötzner-Stüberls wäre, so meint Heckl, machbar gewesen, wenn die Stadt ihre Zuschusszusage von 200 000 Euro und die Vorfinanzierung von weiteren 150 000 Euro eingehalten hätte. Die Stadt hält aber eine Sanierung für unrentabel, empfiehlt einen Neubau, der jedoch utopisch sei. Die Pläne, ein kleines Ortsteilzentrum mit insgesamt nur rund 400 Quadratmetern Nutzfläche für alle Vereine am Reiherweg zu schaffen, lösten sich in Luft auf: Neben den finanziellen Mitteln für den Bau (unterschiedliche Angebote im Kostenrahmen bis zu 270 000 Euro) fehlt ein Grundstück - weil 30 Stellplätze zu schaffen seien.
Die größte Enttäuschung sei, dass die Vereine bei dem Neubauprojekt auf dem Möstel-Areal (Lebensmittelmarkt sowie Wohnanlagen) nicht zum Zuge kommen. Hier machten die Investoren deutlich, dass für die anvisierte Fläche zwischen 3500 und 4000 Euro Miete anfielen. Und damit gelte auch hier für Vereine: "aus eigener Kraft nicht finanzierbar."

"Wir laufen uns die Füße platt. Die Stadt hat uns mit der Rücknahme ihrer Finanzierungszusage jede Chance genommen", bedauert Heckl. "Die Stadt, aber auch die Parteien haben offenbar kein Interesse, uns wirklich zu helfen. Es gab Versprechungen, dann haben sie uns hingehalten, und jetzt lassen sie uns im Regen stehen." Die Hammerwegerer, so redet sich Haring in Rage, sollten bei den Wahlen "denen die Quittung ausstellen". "Wir können unsere Kinder überall hinschicken, nur nicht in einen Verein."
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