Verhängnisvolle Liebesschwüre

Er nannte sie "Knuddelhase" und "beste Frau der Welt". Warum aber musste die 38-jährige Heike K. dann sterben? Noch immer ist das Gericht bemüht, die Hintergründe einer Bluttat aufzuhellen, die sich vor über einem Jahr in Schnaittenbach ereignete.

Amberg/Schnaittenbach. (hwo) Wenn Zeugen auftauchen, die ihm nicht passen, begehrt der Angeklagte auf. Das war an den ersten fünf Verhandlungstagen so und es setzte sich am Mittwoch fort. "Der Freund von seiner Ehefrau ist doch in der Wohnung des Paares ein- und ausgegangen", sagte ein Mann, der das beobachtet hatte. Da platzte es aus dem 47-Jährigen heraus: Als "verlogen" bezeichnete er diese Angaben und giftete erbost weiter: "Meinst du, ich habe Angst vor dir? So einen wie du, rauche ich in der Pfeife." Die Richter kennen diese spontanen Gefühlsausbrüche und ordnen statt eines Ausschlusses Raucherpausen an.

Dialoge per SMS

Doch sie wissen längst: Da sitzt einer, der für sich in Anspruch nimmt, die Wahrheit zu sagen und Leuten, die anderer Meinung sind, verbale Denkzettel verpasst. Verbunden mit Drohungen und Beleidigungen. Im Fokus der Vernehmungen stehen die letzten Tage vor dem 11. Februar 2014. Gegen 1.30 Uhr in dieser Nacht starb die 38-Jährige in der gemeinsamen Wohnung an der Rosenbühlstraße in Schnaittenbach. Doch was war vorher geschehen?

Die Frau hatte zwei Nächte mit ihrem Freund verbracht, war vom Ehemann immer wieder per SMS-Botschaften und Facebook-Einträgen zur Rückkehr aufgefordert worden. Er nannte sie "Knuddelhase" und "mein Schatz". Doch die Mutter dreier Kinder - so ließ sich der Verlesung aller ausgetauschten Nachrichten entnehmen - blieb dabei: "Du kennst meine Entscheidung und du musst sie akzeptieren." Damit war klar: Auch die vierte Ehe des Mannes näherte sich ihrem Ende. Ganz zum Schluss schrieb sie: "Ich gehe meinen Weg und du deinen." Ihr Weg endete unter einem Stakkato von Messerstichen. Sein Weg führte ins Gefängnis.

Ein ganzer Ordner voll

In den Unterlagen, die von der Mordkommission bei der Amberger Kripo mit Akribie wie ein Puzzle zusammengetragen wurden, befindet sich ein eigener Ordner mit der Aufschrift "Soziale Netzwerke". Auf vielen Seiten ist darin niedergelegt, dass der eheliche Zwist auch bei Facebook ausgetragen wurde. Dort standen Bilder der Frau, die von ihrem Mann mit Anmerkungen wie "Sie hängt einfach in meinem Herzen fest" versehen wurden. Auch das geschah, als die Beziehung bereits gestrandet war. Bemerkenswert aber ist auch eine andere von ihm getroffene Feststellung: "Das ist meine Frau. Sie gehört mir und keinem anderen."

Einen völlig unverhofften Aspekt bekam der Prozess, als sich verdeutlichte, dass ein womöglich als Zeuge vorgesehener Psychotherapeut aus Franken nicht mehr aussagen kann. Der 61-Jährige war im Dezember letzten Jahres als externer Gutachter im Jobcenter der Stadt Rothenburg von einem 28-Jährigen durch Messerstiche umgebracht worden. In der Zeit davor hatte er mit dem jetzt angeklagten Gelegenheitsarbeiter Gespräche in der Amberger Justizvollzugsanstalt geführt. Dabei ging es um die Messerattacke in Schnaittenbach und ihre Begleitumstände.

Der Prozess gegen den aus Weiden stammenden 47-Jährigen wird am Dienstag, 7. April, fortgesetzt. Dann werden weitere Zeugen gehört.
Weitere Beiträge zu den Themen: April 2015 (8563)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.