Vermisstes Gemälde kehrt zurück

Gemälde neben Original: Stolz präsentiert Gehard Steinbeck das Bild seines Bentley, Baujahr 1954, das nach elf Jahren überraschend in seinen Besitz zurückkam. Bild: hfz

Nach elf Jahren gibt es ein Happy End. So lange hat Gerhard Steinbeck das Gemälde seines geliebten Bentleys vermisst. Jetzt ist es in England wieder aufgetaucht.

Weiden/Etzenricht. (ps) Seit wenigen Wochen hängt es wieder da, wo es hingehört. An der Wand über dem Schreibtisch seines Besitzers in Etzenricht. Dabei hatte der 68-jährige Kameramann und Filmemacher das Bild innerlich längst abgeschrieben. Denn seit 2004 war es spurlos verschwunden.

Seit 1981 sind er und seine Frau im Besitz des noblen Oldtimers, dessen Karosserie in Astral-Silber und Gruft-Schwarz auf Hochglanz poliert ist. 2002 ließ der Bentley-Begeisterte - seit 1989 ist er Mitglied im "Rolls-Royce Enthusiasts' Club" - seinen Bentley R Type, Baujahr 1954, von der Kohlberger Künstlerin Maria Hüttner in Öl malen. Sie sollte ein Bild schaffen, dass "die Glorie und Einmaligkeit dieses kostbaren Wagens zeigt", sagt Steinbeck.

"Auf eigenes Risiko"

Von einem befreundeten Clubmitglied erfuhr er dann, dass zum 100. Firmenjubiläum von Rolls-Royce im Jahr 2004 eine Ausstellung geplant ist. Besitzer dieser Nobelkarossen wurden gebeten, persönliche Devotionalien dafür zur Verfügung zu stellen. Gerhard Steinbeck beteiligte sich an dem Auswahlverfahren: mit Erfolg. Gerne sandte er sein Gemälde als Leihgabe zu der Ausstellung nach Derby (Mittelengland). "Das war damals auf eigenes Risiko", erinnert er sich. Und tatsächlich sollte sich sein Schritt als riskant erweisen.

Denn eigentlich erwartete er sein Gemälde sechs Monate später - nach Ausstellungsende - zurück. Doch daraus wurde nichts. Das Bild war verschwunden. "Es gab viele Telefongespräche, einen langen Schriftverkehr. Das war ein zermürbender Nervenkrieg." Der schließlich erfolglos endete. "Es hieß immer wieder: I'm very sorry. Das Bild ist nicht auffindbar." Eine Auskunft, mit der sich der Etzenrichter - er war damalsKameramann beim Bayerischen Rundfunk - schließlich zufrieden geben musste. Es war nichts zu machen. Er hängte - als schlechten Ersatz - ein Foto des Gemäldes an die Wand.

Bis Anfang Juli. Da tauchte das vermisste Bild völlig überraschend wieder auf: im Nachlass des inzwischen verstorbenen Kurators der Jubiläumsausstellung, samt Einlieferungs-Formular und Adresse von Gerhard Steinbeck. Die Witwe des Kurators setzte sich daraufhin mit ihm in Verbindung und entschuldigte sich für die Unannehmlichkeiten. Wie das Gemälde in den Nachlass gelangt sei, könne sie auch nicht erklären.

Völlig unversehrt

Unerklärlich bleibt das auch für den 68-Jährigen, der sein Glück kaum fassen kann. "Das Gemälde ist völlig unversehrt, und es ist wirklich das Original." Das andere Original, der Bentley R Type, steht - ebenfalls unversehrt - in der Garage. Im Gegensatz zu den 80er Jahren, wo das Ehepaar damit noch Urlaubsreisen nach Venedig oder zu den Loire-Schlössern unternahm, wird der Oldtimer heute nur noch selten ausgefahren. Obwohl Gerhard Steinbeck gesteht: "Er fasziniert mich nach wie vor." Das gilt auch für das Gemälde, das die Kohlberger Künstlerin vor 13 Jahren von seinem Oldtimer gemalt hat. "Sie hat es sehr kreativ in Szene gesetzt", sagt er und blickt stolz auf das Bild über seinem Schreibtisch.
Weitere Beiträge zu den Themen: August 2015 (7425)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.