Versuchte Gefangenenbefreiung

Manchmal sind Polizisten nicht zu beneiden. Am Mittwoch wurde ein besonders krasser Fall verhandelt. Polizeibeamte hatten sich gegen einen Pulk Jugendlicher zu behaupten, mussten sich schließlich sogar einer falschen Anzeige wegen Körperverletzung im Amt erwehren.

Ende Juni letzten Jahres rief eine aufmerksame Passantin nachts bei der Einsatzzentrale an. Nach dem Fußball-WM-Spiel Deutschland gegen Ghana zog eine Gruppe junger Leute durch die Innenstadt Richtung Stockenhut. Zwei junge Männer traten dabei Abfallbehälter aus ihren Verankerungen und knickten Straßenschilder um. Eine Polizeistreife stellte gegen 23 Uhr die Gruppe in der Bahnunterführung in der Frauenrichter Straße.

Während ein Polizeihauptkommissar die Personalien eines Beschuldigten aufnehmen wollte, drängte sich dessen Schwester, heftig gestikulierend und schreiend, zwischen die beiden. Der 58-jährige Beamte konnte sich ihrer nur erwehren, indem er sie mit einem Arm zur Seite schob. Die 19-Jährige fiel auf ihr Gesäß. Hysterisch kreischte sie, dass die Polizisten "eine schwangere Frau schlagen" würden, woraufhin die beiden alkoholisierten Männer, die eigentlich nur kontrolliert werden sollten, aggressiv wurden. Die Polizisten, inzwischen von einigen Kollegen unterstützt, beschlossen daraufhin, sie mit zur Wache zu nehmen. Beim Anlegen der Handschellen bedrängte sie die junge Frau immer wieder.

"Wie eine Wilde gebrüllt"

Vor Jugendrichter Otmar Schmid stellte sich heraus, dass sie zum damaligen Zeitpunkt mitnichten schwanger gewesen war. Eine Stunde nach dem Vorfall hatte sie Strafanzeige gegen den 58-Jährigen gestellt. Sie sei in den Bauch getreten worden. Nachdem sich aber durch Zeugenvernehmungen herausgestellt hatte, dass sich der Beamte keines Fehlverhaltens schuldig gemacht hatte, stellte Staatsanwaltschafts-Gruppenleiter Peter Frischholz die Sache ein. Die 19-Jährige kam wegen versuchter Gefangenenbefreiung vor Gericht. Frischholz warf ihr vor, durch ihr Verhalten erheblich zur Eskalation der Situation beigetragen zu haben. Die Zeugin, die die Sachbeschädigungen gemeldet hatte, sagte aus, dass die Weidenerin "wie eine Wilde herumgebrüllt" habe. Auch bestätigte die 28-Jährige, dass keiner die Frau geschlagen hatte.

Das Strafregister der Arbeits- und Berufslosen sprach Bände. Wegen falscher Verdächtigung - sie hatte damals einen Mann einer Vergewaltigung bezichtigt - , gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung und versuchter Strafvereitelung hatte sie als Jugendliche bereits Arbeitsstunden ableisten müssen. Staatsanwalt Frischholz stellte fest, dass die Ledige "mitnichten Schuldeinsicht und Reue" zeige. Er beantragte eine Woche Dauerarrest. Richter Schmid war, in Hinblick auf die schwierige familiäre Situation der Angeklagten, noch gnädiger. Er verurteilte sie zu einem Kurzarrest von vier Tagen.

Nicht zum Geburtstag

Der Verurteilten war es hauptsächlich wichtig, dass dieser nicht in der Zeit ihres anstehenden Geburtstags vollstreckt wird. Ihr Bruder und dessen Freund wurden übrigens wegen Sachbeschädigung in der letzten Woche zu Arbeitsstunden und einer Geldauflage verurteilt.
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