Viel Aufregung um die "Regi"

Noch bis zum 1. Dezember ist die Regionalbibliothek wegen Umbaus geschlossen. Doch die Drähte glühen schon jetzt.

Im Büro von Sabine Guhl steht das Telefon nicht mehr still. "Die Leute rufen an, sind verunsichert, machen sich Sorgen", erzählt die Leiterin der Regionalbibliothek. "Und manche Kommentare will ich gar nicht wiederholen ..." Grund: die Pläne des Stadtrats für die "Regi" - etwa die Zusatzgebühr von 50 Cent für jedes ausgeliehene Medium oder einen weiteren Schließtag.

Laut Beschluss sollen diese Punkte in die neue Satzung eingearbeitet werden. In Stein gemeißelt sind sie jedoch offenbar noch nicht. Zunächst wird sich der Finanzausschuss bei den Haushaltsberatungen Anfang Dezember nochmals damit befassen - und möglicherweise nachbessern. Die Satzung könnte der Stadtrat dann in der "Weihnachtssitzung" verabschieden. Zum 1. Januar tritt sie in Kraft. Nicht alle Fragen, die ihr die verunsicherten Nutzer stellen, kann Sabine Guhl dieser Tage beantworten. Zum Beispiel: Werden bei der Verlängerung einer Ausleihe nochmals 50 Cent fällig? Wer kassiert die? Eigentlich, meint die Chefin, brauche es eigens für diesen Obolus einen weiteren Kassenautomaten.

Während viele Bibliotheksnutzer ihrem Unmut im Internet Luft machen (siehe Kasten), äußert Karin Holl Verständnis für die Einschnitte: "Es ist eine schwierige Zeit. Die Stadt hat kein Geld." Die Diplombibliothekarin leitete seit 1980 die Stadtbücherei und von 1994 bis 2004 die Regionalbibliothek. Neuerungen wie die Beschränkung auf fünf Medien hält sie sogar für sinnvoll: "Warum muss jemand 20 Bücher auf einmal ausleihen? Manche gehen mit richtigen Koffern raus."

Beim Förderverein Pro Libris, zuletzt 800 Mitglieder stark, gehen derweil tagtäglich Kündigungen ein. Mit einer großen Austrittswelle rechnet stellvertretende Vorsitzende Guhl für Januar. Dann werde es offenkundig, dass die Mitgliedschaft nicht mehr mit Vergünstigungen verbunden ist. Karin Holl rührt dennoch die Werbetrommel für den Förderverein: "Wenn ich 20 Euro im Jahr spende, finanziere ich damit ein Buch. Das kommt dann doch auch mir selbst zugute."
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