Viel Lärm rollt an

Über den geplanten Ostkorridor für den Güterverkehr von Hof nach Regensburg informierte der CSU-Kreisverband mit Vorsitzendem Stephan Gollwitzer (Mitte). Die Bahn vertraten Michael-Ernst Schmidt (links) und Robert Hanft (rechts daneben), das "Forum Bahnlärm" Peter Exner (Vierter von links) und Thomas Kraus (rechts daneben). Bild: Bühner
Lokales
Weiden in der Oberpfalz
24.09.2015
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Nicht nur die Gleichstromtrasse löst Ängste der Anlieger aus. Vom geplanten Ostkorridor für den Güterverkehr der Bahn sind möglicherweise sogar noch mehr Menschen direkt betroffen. Bei einer Infoveranstaltung der CSU mit dem "Forum Bahnlärm" schlagen Betroffene Krach.

lautwirds@gmx.de - so lautet die Internet-Adresse des "Forums Bahnlärm Güterkorridor Naabtal 21". Der Name ist Symbol für den Kampf um den Lärmschutz beim geplanten Bau der Ostkorridor-Strecke für den Güterverkehr von Hof nach Regensburg. Noch ist der neue Bundesverkehrswegeplan nicht verabschiedet, fürs laufende Jahr ist jedoch ein erster Entwurf angekündigt. Die Bahn brauche den Korridor - dies bestätigte am Mittwochabend Robert Hanft von der DB Netz AG.

Hanft ist der Leiter für Großprojekte Süd und war zusammen Michael-Ernst Schmidt, Sprecher Großprojekte Bayern, in das vollbesetzte Vereinsheim Almrausch gekommen. Eingeladen hatte der CSU-Kreisverband mit Vorsitzendem Stephan Gollwitzer zu einer "überparteilichen Veranstaltung als Auftakt des Herbstprogramms".

Bund entscheidet

Die Bahn rechnet innerhalb der nächsten beiden Jahrzehnte mit einer Steigerung des Güterverkehrs um 38 Prozent. Die vorhandenen Nord-Süd-Verbindungen bedürften dringend einer Entlastung. "Wir sind Auftragnehmer des Bundes und nicht frei in unseren Entscheidungen", sagten die Bahnvertreter. Der Bund bestelle als Kostenträger nach den vorliegenden Gesetzesbeschlüssen. Fest mit der Aufnahme der Strecke Marktredwitz-Regensburg in den neuen Bundesverkehrswegeplan rechnet auch das seit 2011 aktive "Forum Bahnlärm".

Dessen Vertreter Thomas Kraus erläuterte am Abend sehr ausführlich das Anliegen des Forums. Weil es sich um eine "Bestandsstrecke" handele, sei die Wirtschaftlichkeit besonders hoch. Die Vorplanung für den Abschnitt Hof-Marktredwitz sei bereits abgeschlossen. Für den Abschnitt Marktredwitz-Regensburg sei die Vorplanung beim Bund beantragt. Kraus: "Wir sind keine Elektrifizierungsgegner und auch für die Verlagerung des Schwerlastverkehrs auf die Schiene. Wir fordern Elektrifizierung nur mit Lärm-und Erschütterungsschutz für Anwohner und Kommunen, tagsüber 70, nachts 60 Dezibel."

Güterzüge würden im Gegensatz zu Personenzügen bis zu 103 Dezibel Lärm erzeugen. "Das liegt zwischen Presslufthammer und Staubsauger", sagte Kraus. In der Industrie sei ab 80 Dezibel ein Gehörschutz vorgeschrieben. Vor allem die alten Waggons würden besonders viel Lärm erzeugen. 10 Dezibel Steigerung werde vom Menschen als Verdoppelung des Lärms wahrgenommen. Das DB-Programm "Halbierung des Schienenlärms" senke den Lärmpegel allenfalls auf 86 Dezibel. Die Deutsche Bahn bestreite außerdem nur ein Drittel des Güterverkehrs. Ausländische Waggons seien oftmals besonders alt und deshalb laut.

Appell an Politik

Kraus und das "Forum Bahnlärm" sehen nur einen aussichtsreichen Weg für die Erfüllung ihrer Forderungen: "Wenn die Politik es will, ist es möglich." Dabei geht es um die Interpretation des unbestimmten Rechtsbegriffes "wesentliche Änderung der vorhandenen Anlagen" im Baurecht. Werde festgestellt, dass die neue Güterverkehrstraße als solche gelte, könnten die vom Forum gewünschten Lärmschutzmaßnahmen in Planung und Finanzierung einbezogen werden. Die rechtsverbindliche Zusage dafür müsse aber jetzt erfolgen. Später wären nur noch Klagen dagegen möglich. "Wir wollen dafür die politische Zusage" fordert Kraus. "Es geht, lassen Sie uns dafür kämpfen".
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