Viel vom Hinduismus

Auch wenn Pater Jacob schon seit 12 Jahren in Deutschland ist, verbringt er jedes Jahr einige Wochen in seiner Herz-Jesu-Klostergemeinschaft in Indien. Bild: sbü

Wer glaubt, dass christlicher Glaube überall auf der Welt ähnlich ist, der erliegt einem Irrtum. Kulturelle Eigenheiten bestimmen in hohem Maße Verhaltensformen und Rituale. Der indische Pater Jacob Vazhapparampil hat die vielen unterschiedlichen Erscheinungsformen des Christentums in der Welt aufgezeigt.

(sbü) Eigentlich hieß das Thema "Thomas-Christen und das Christentum in Indien". Doch die Botschaften, die Pater Jacob, wie er von allen nur genannt wird, aus dem Ort Cocchin im indischen Bezirk Kerala seinen Zuhörern im Pfarrheim Maria Waldrast überbrachte, gingen weit darüber hinaus. Thomas-Christen in Indien sind nur ein Mosaikstein aus der großen Vielfalt des christlichen Glaubens auf der Erde. Und Pater Jacob stellte diese Vielfalt anhand vieler Bilder, Zitate und persönlicher Erlebnisse so anschaulich und einprägsam vor, dass er immer wieder Beifall bekam.

Gebete in Heimatsprache

Mit Liedern und Gebeten, in seiner Heimatsprache und auch in der historischen aramäischen Sprache illustrierte der Priester seine Worte und seine Bilder. Nicht wissenschaftliche Abstraktion der Geschichte des Christentums bestimmte den Vortrag, sondern authentische Erzählungen eines Priesters aus Indien. Seine wichtigste Aussage war "Christlicher Glaube und die Kultur einer Region gehen immer eine Verbindung ein". Und weil dies so sei, sind auch die vielen unterschiedlichen christlichen Kirchen auf der Erde entstanden.

22 verschiedene Kirchen, zählte der Pater alleine bis zum Jahr 1054, der ersten großen Trennung zwischen Konstantinopel und Rom, auf. Und auch alles, was sich später entwickelt habe, wurzelt in diesen historischen Differenzierungen. Thomas-Christen in Indien sind dafür ein Beispiel. Weil Pater Jocob zu ihnen gehört, hat er ihre Geschichte, ihre Brauchtümer und Riten auch ausführlich dargestellt.

Ihre historische Wurzel liegt im Jahre 52 nach Christus, als der heilige Thomas in Kerala angekommen war. Die hieraus entstandene christliche Kirche in Indien unterstand bis zur Ankunft der Missionare aus Europa im 16. Jahrhundert dem ostsyrischen Patriarchen. Danach hätten sich, wie Pater Jacob erläuterte, drei verschiedene Prägungen der christlichen Kirchen in Indien entwickelt. Sie unterscheiden sich durch ihre Nähe zur römisch-katholischen und lateinischen Kirche, gehören aber alle zu deren Weltkirche.

Theologie orientalisch

Pater Jacob ordnet sich selbst der "syromalabischen Kirche" zu. Sie hat mit dem vom Papst ernannten Kardinal George Alencherry ihr eigenes Oberhaupt, von dem Pater Jacob sagt "er ist quasi unser Papst." 167 katholische Diözesen mit 28 Millionen Christen gebe es heute unter den insgesamt 1,3 Milliarden Indern. Und dann erzählte der Pater von ihren Sitten und Gebräuchen. "Wir haben viel aus dem Hinduismus aufgenommen", berichtet er. Ohne Anpassung und Integration könne christlicher Glaube in Indien nicht praktiziert werden. "Kulturell sind wir Hindus, als Gläubige aber Christen. Unsere Theologie ist orientalisch."

Mit diesen Worten kennzeichnete Pater Jacob seine Glaubensrichtung. Früher hätte es auch kein Pflichtzölibat gegeben. Nach dem Tod eines Angehörigen werde gefastet. "Unser Kreuz zeigt nicht den leidenden, sondern den Leben schenkenden Jesus", sagt der Pater auch. Abschließend berichtet er, dass er nach zwei jähriger Tätigkeit in den Pfarreien Sankt Elisabeth und Maria Waldrast zur Pfarrei Konzell-Rattenberg (Nähe St. Englmar) wechsle. Besonders erfreut zeigte er sich über die Anwesenheit seines Landsmannes Jojimon Lukose, der priesterliche Urlaubsvertretung in Krummennaab/Premenreuth ausübt.
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