Viel zu viele Abbrecher

Die Wirtschaft begleitet Schüler in den Beruf: Das ist Ziel des Arbeitskreises Schule/Wirtschaft mit (von links) Jürgen Spickenreuther, Dagmar Nachtigall, Katharina Achtert, Hermann Ach (Wirtschaftsförderer des Landratsamtes Neustadt) und Johann Hilburger. Bild: hfz

Ein Grund zur Besorgnis: 20 Prozent der Jugendlichen brechen ihre Lehre und 30 Prozent ihr Studium ab. Hier will der Arbeitskreis Schule/Wirtschaft Neustadt/Weiden in den kommenden Monaten durch das Projekt "stärkenorientierte Berufswahl" Abhilfe schaffen.

Dies war nur eines der zahlreichen Themen bei der Jahrestagung des Arbeitskreises in den Räumen der Sparkasse Oberpfalz Nord. Die Mitglieder informierten sich über Berufsorientierung und Berufswahlvorbereitung (BOM), "Stellenwert der beruflichen Bildung am Gymnasium" sowie über das laufende Patenprojekt des Arbeitskreises.

Handwerk hat Nachsehen

"Auffällig wird, das immer mehr Jugendliche Büroberufe bevorzugen und einfach nicht mehr in einen Handwerksberuf wollen", sagte der Vorsitzende für den Bereich Wirtschaft, Jürgen Spickenreuther. Dies sei eine Entwicklung, die in der Oberpfalz zu großen Schwierigkeiten führen werde. Der Arbeitskreis greife solche Themen auf und diskutiere sie mit der Wirtschaft und den Schulen.

Schulrat Johann Hilburger, Vorsitzender Schulen, wies daraufhin, dass mit dem Projekt "BOM regional" mögliche Stellschrauben geschaffen werden könnten. Er stellte mit Katharina Achtert, der neuen Schule/Wirtschaft-Expertin, die Kommunikations- und Kooperationsstruktur vor, mit der die Vernetzung zwischen Schule und Wirtschaft intensiviert werden soll. Basis ist die Verbundstruktur der Mittelschulen. Durch die Vernetzungsarbeit soll letztlich den Schülern der Übergang ins Berufsleben erleichtert werden. Durch diese neuen Strukturen in den Mittelschulen in Verbindung mit festen Ansprechpartnern in der Wirtschaft und in den Berufsschulen wird es den Jugendlichen erleichtert, als zukünftiger Facharbeiter in der Region bleiben zu können.

Im Anschluss stellte "Senior Consult" Werner Stahl das Konzept der stärkenorientierten Berufs- oder Studienwahl vor. "Jedem einzelnen müssen seine Stärken bewusst gemacht werden, denn so ist es leichter mit seinen Schwächen leben zu können." Stahl bot Workshops an.

Einen weiteren wichtigen Bereich beleuchtete Oberstudiendirektor Rolf Anderlik (Kepler-Gymnasium) mit dem Thema "Stellenwert der beruflichen Bildung am Gymnasium". Durch historische und gesellschaftspolitische Entwicklungen strömten immer mehr Kinder in die Gymnasien. "Nun sind wir gefordert, ab der neunten Klasse mit Projekt-Seminaren Berufsausbildung und Studium praktisch näherzubringen." So müsse hier bald eine Reform durchgeführt werden, damit auch im Gymnasium nicht nur Wert auf die Studienvorbereitung gelegt werden muss.

Patenprojekt bewährt

"Jugend stärken im Quartier": Dieses Projekt stellte Roswitha Ruidisch, Zukunftscoach der Stadt, vor. Bereits seit fünf Jahren leitet Schulamtsrat a. D. Engelbert Vollath mit viel Erfolg das Patenprojekt, bei dem sich ehemalige Lehrkräfte und Unternehmer um Jugendlichen in Hauptschulen kümmern, damit diese einen Ausbildungsplatz finden. "Die Arbeit ist nicht leichter geworden, aber die Erfolge geben uns Recht."

Wie der Arbeitskreis Jugendliche fördert, machte stellvertretende Geschäftsführerin Dagmar Nachtigall am Projekt "Beachmanager Bayern" deutlich. Hier siegte die achte Klasse der Mittelschule Altenstadt. Die Schüler überzeugten als erfolgreiche Unternehmer einer fingierten Wasserschule. Der Vorsitzende der Agentur für Arbeit, Thomas Würdinger, nutzte das Jahrestreffen, um über die neue "Allianz für Aus- und Weiterbildung" zu informieren. Deutlich wurde, dass die Region in den letzten fünf Jahren über 150 Auszubildende verloren hat. "Beim Handwerk ist es noch drastischer, viele junge Menschen streben in die Fachoberschulen und die Berufsoberschulen und beginnen damit keine Lehre mehr."
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