Viel Zuversicht und etwas Wut

Illustres Stelldichein: Was Weiden Anfang 2015 aus Sicht des Oberbürgermeisters umtreibt, hörten mehr als 300 Besucher aus Politik, Wirtschaft, Vereinen oder Ehrenamt beim Neujahrsempfang im Gustav-von-Schlör-Saal. Musik hörten sie obendrein: Die Stadtkapelle übernahm die Begleitung.

Glaubt man dem Oberbürgermeister, steht Weiden kein ruhiges Jahr bevor. Sondern ein bewegtes. In seiner Neujahrsansprache nennt er viele Themen, die die Stadt auf Trab halten. Und eines, das ihn grantig macht.

Die namentliche Begrüßung gehört zur unvermeidlichen Routine bei offiziellen Festakten. Also heißt Sprecher Norbert Schmieglitz am Sonntag beim Neujahrsempfang in der Max-Reger-Halle eine ganze Reihe von Ehrengästen willkommen. Vertreter von Kommunen sind darunter, der neue Bürgermeister von Marienbad etwa, Repräsentanten aus der Gesellschaft. Aufgehorcht dürften einige Gäste haben, als Schmieglitz auch die Namen der beiden Geschäftsführer von Fondara vorträgt. Das Unternehmen, das die "Stadtgalerie" plant, zeigt also Präsenz angesichts mancher Zweifel, die noch immer bestehen. Und es sorgt wenig später für einen deutlichen Zwischenapplaus.

"Lasst Fondara arbeiten"

Der unterbricht die Ansprache von Oberbürgermeister Kurt Seggewiß, als dieser Herausforderungen für das geplante Einkaufszentrum thematisiert. Fondara "hat es schwer mit der Weidener Stadtgesellschaft", sagt Seggewiß. Da seien die Grundstückseigner, die für sich stets das Maximum herausholen wollten. Da sei aber auch die Bürgerinitiative, die sich jüngst wieder zu Wort gemeldet hat. An deren Adresse appelliert Seggewiß: "Lasst Fondara arbeiten." Viele Gäste goutieren's klatschend.

Handschläge anderer Art gab es schon im Vorfeld. Zusammen mit Frau Maria und den Bürgermeistern Jens Meyer und Lothar Höher empfing Seggewiß die Besucher händeschüttelnd. Kaminkehrermeister Eka Reber verteilte dazu Marzipanschweinchen. Glückwünschen im Akkord ist das. Am Ende sind fast alle 340 Tierchen weg - und der Schlör-Saal voll. Dort hat der OB seine Rede unter den Titel "Weiden bewegt" gestellt. Themen zu diesem Stichwort finden sich viele. Seggewiß gibt sich beispielsweise von "einiger Wut" bewegt über die BR-Sendung "Schöne Oberpfalz". Dass der Regierungsbezirk zu den dynamischsten gehört, hätten die Macher in München doch besser zur Kenntnis nehmen sollen.

Nun gibt es freilich auch Themen, die womöglich noch dauerhafter bewegen. Die Ankunft von Flüchtlingen gehört dazu. Für die Stadt bedeute das, "wir wollen ihnen ein menschenwürdiges Dasein ermöglichen". Das sei aber für Weiden nicht nur Herausforderung, sondern zugleich auch Chance. Weil gerade für die jüngeren Neuankömmlinge hier gute Bildungsmöglichkeiten bestünden, könnte sich dadurch auch die Lücke bei Fachkräften etwas schließen.

Überhaupt sind es naturgemäß positive Entwicklungen, die Seggewiß in den Mittelpunkt stellt. So sei die Einwohnerzahl auf 42 500 gestiegen. Gewachsen sei auch die Zahl der Kinderkrippenplätze und der sozialversicherungspflichtigen Stellen. Gesunken dagegen die Arbeitslosigkeit. Auch wenn Weiden bei Letztgenanntem noch lange nicht glänze - das zu ändern, "wird eine Kernaufgabe der nächsten Jahre". Wobei laut Seggewiß wichtige Schritte bereits gemacht sind: Das Gewerbegebiet West IV könnte, wie auch Hochschule samt Campus, eine Entwicklung lostreten, von der Stadt und Umland langfristig enorm profitieren werden.

Schulen auf Prüfstand

Wichtig für die Zukunft sei aber auch der Widerstand gegen Fracking und Stromtrasse. Womöglich gemeinsam mit den Landräten aus Neustadt und Tirschenreuth, mit denen er sich jedenfalls künftig einmal pro Monat fix treffen wolle. Ein noch näherer Termin ist schließlich die Stadtratssitzung am heutigen Montag. Die Stadt setze auf Bildung, sagt Seggewiß. Gleichzeitig müssten Schulen aber auch vor dem Hintergrund sinkender Geburtenzahlen tragbar sein. Kriterien, an denen sich das bemessen lässt, sollen in der Sitzung festgezurrt werden. Ob auch eine Schließung besiegelt wird, sei aber noch offen. Dass das eine schwere Entscheidung wäre, räumt Seggewiß ein. Klar ist damit natürlich auch, dass es im neuen Jahr noch genug Fragen gibt, die die Stadt weiter bewegen werden.
Weitere Beiträge zu den Themen: Januar 2015 (7957)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.