Vier Tonnen reine Nostalgie

Das romantische, von Dolomitfelsen gesäumte Tal des Etzelbachs bietet für Eisenbahnfreunde einen besonderen Reiz. Als bis in die 70er Jahre Dampfloks hauptsächlich Kohle für die Maxhütte gen Sulzbach-Rosenberg zogen, brauchten sie viel Dampf, um den Anstieg zur Kuppe der europäischen Wasserscheide kurz hinter Neukirchen überwinden zu können.

Voraussetzungen, die die Herzen der Eisenbahnfreunde und der Fotografen höher schlagen ließen. Lehenhammer/Lehendorf in der Gemeinde Etzelwang entwickelten sich zu einem Mekka der Eisenbahnfreunde. In Lehendorf entstanden Ausstellungsräume mit Modelleisbahnen in naturgetreu nachgebauten Landschaften.

Liebhaber der Dampflokomotiven bauten im früheren Forellenhof in Lehenhammer eine Gartenbahn auf, die von einer Mini-Dampflokomotive Fahrgäste durch die weitläufige Anlage zog. Diese Freude an den Dampflokomotiven begleitete eine gewisse Sammlerleidenschaft. Ausrangierte Original-Signalanlagen machen heute noch auf dieses inzwischen aufgelassene Freizeitgelände aufmerksam.

1987 entdeckte Otto Uhlmann, einer der begeisterten Eisenbahnfreunde, in Grafenwöhr bei einem Alteisenhändler einen Radsatz der Dampflokomotive der Baureihe 01. Er erwarb diese Rarität und ließ sie am Forellenhof aufstellen, wo sie bis voriges Jahr einem "Dornröschenschlaf" ähnlich die Dampfeisenbahnromantik des Lehentals wachhielt. Vergangenes Jahr erfuhr dieser Radsatz am Ortsrand von Lehenhammer dann plötzlich größte Bedeutung.

Erheblicher Schaden

Bei einer Nostalgie-Dampflokomotive wurde bei Routineuntersuchungen ein Riss an einem der Räder entdeckt. Bei dieser Lok handelt es sich um die Schnellzug-Dampflok 01 150, die von 1935 bis 1973 im regulären Eisenbahnbetrieb eingesetzt war. Nach weiteren acht Jahren Nostalgiefahrten kam sie in das Eisenbahnmuseum nach Nürnberg. Dort erlitt sie allerdings beim Brand des Lokschuppens 2005 erheblichen Schaden.

Idealisten organisierten die Instandsetzung und fanden Sponsoren. 2013 konnte diese Lokomotive wieder in Betrieb gehen, bis zwei Jahre später bei einem Radsatz der Defekt entdeckt wurde. Dieser Schaden konnte nur mit einem Ersatzrad behoben werden. So machten sich Mitglieder der Eisenbahnstiftung auf die Suche nach einem unbeschädigten Ersatzrad, das sie dann zufällig in Lehenhammer fanden.

Die Kontaktaufnahme mit dem Eigentümer des Geländes, der Familie Dagmar und Gerhard Pirner, verlief für die Idealisten der Eisenbahnstiftung positiv. Gerhard Pirner stimmte zu, den noch brauchbaren Radsatz für die Reparatur der Nostalgie-Lok abzugeben und dafür den beschädigten in Lehenhammer künftig aufzustellen. Im Juni vorigen Jahres erfolgte der Transport des über vier Tonnen schweren und zwei Meter Durchmesser großen Radsatzes in die Reparaturwerkstatt nach Meiningen (Thüringen). Inzwischen ist er in die historische Schnellzug-Dampflokomotive eingebaut und ermöglicht wieder Nostalgiefahrten. Dieser Tage nun traf das Ersatzrad in Lehenhammer ein und wurde an seinen früheren Platz neben der Kreisstraße versetzt.

Die schwere Last hob ein Bagger der Firma Hartmann aus Oed vom Lastwagen und setzte sie auf das bereitliegende Schienenstück. So hält nun ein frisch gestrichener Radsatz die Erinnerungen an die Dampfzüge durch das Lehental wach.
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