Virtuelle Filialen ausbauen

"Erstmals präsentiert sich der Vorstand der Sparkasse Oberpfalz Nord in dieser Zusammensetzung", stellte Vorstandssprecher Ludwig Zitzmann (Dritter von links) fest: Hans-Jürgen Schön (Vierter von links) gehört jetzt dem Führungsgremium an. Seit Jahren dabei sind die alternierenden Verwaltungsratsvorsitzenden Wolfgang Lippert (links) und Kurt Seggewiß (rechts daneben). Bild: Bühner

Ein anhaltend niedriges Zinsniveau und ein sich stetig sich veränderndes Kundenverhalten zwingen die Sparkasse Oberpfalz Nord zur Anpassung des Dienstleistungsangebots. Keinesfalls will sie sich aus der Fläche zurückziehen. Wie gelingt der Spagat zwischen den Angeboten für Onlinekunden und für die traditionellen Filialbesucher?

(sbü) "Wir haben ein gutes Geschäftsjahr unter schwierigen Bedingungen abgeschlossen", sagt Wolfgang Lippert als derzeitiger Vorsitzender des Verwaltungsrats der Sparkasse Oberpfalz Nord. Weil es weitgehend gelungen sei, die Kundeneinlagen wieder in Kredite umzuwandeln, hätten negative Auswirkungen des niedrigen Zinsniveaus begrenzt werden können.

Den Zahlen der Jahresbilanz 2014 ist dennoch zu entnehmen, dass das niedrige Zinsniveau wichtige Bilanzpositionen beeinflusst. Zum Beispiel setzte sich der mehrjährige Trend sinkender Spareinlagen auch im vergangenen Jahr weiter fort. Diese sanken um weitere 2,8 Prozent auf jetzt 444 Millionen Euro.

Vermehrt Immobilienkäufe

Auf der anderen Seite berichten die Sparkassenvorstände Ludwig Zitzmann und Hans-Jürgen Schön von "Zuwächsen über den Erwartungen im Wohnungsbaukreditgeschäft". Offensichtlich animiere der niedrige Darlehenszins verstärkt zu Immobilienkäufen. Der Bestand an Wohnungsbaukrediten hätte sich trotz laufender Tilgungsleistungen um 2,7 Prozent auf knapp 303 Millionen Euro erhöht. Betont wird auch, dass wegen des niedrigen Zinsniveaus die Kunden Kredite mit langfristiger Zinsbindung bevorzugen.

Insgesamt zufrieden mit dem Geschäftsjahr 2014 sind die Sparkassenvorstände vor allem deshalb, weil Geschäftsvolumen und Bilanzsumme um 1,4 beziehungsweise 1,3 Prozent gewachsen sind. Die Milliardengrenze ist in beiden Fällen längst überschritten. Die Gewinn- und Verlustrechnung weist einen Jahresüberschuss von 1,4 Millionen (Vorjahr 1,5 Millionen) aus.

Mit Stolz berichten Verwaltungsräte und Vorstände der Sparkasse, dass im vergangenen Jahr die seit 2005 in der Bilanz ausgewiesene "stille Einlage von 23,35 Millionen Euro aus dem Stützungsfonds der bayerischen Sparkassenorganisation" vor dem Fälligkeitstermin zurückbezahlt werden konnte. Dass die Region von der Sparkasse durch Steuerzahlungen und "gemeinwohlorientierten Aktivitäten" in Höhe von 240 000 Euro profitiere, erwähnen sie. Belastet werde die Jahresbilanz allerdings durch Wertverluste bei den Beteiligungen am Stammkapital des Sparkassenverbands Bayern. Bekanntermaßen resultieren diese aus der Zeit der Finanzkrise.

Filialstruktur "optimieren"

Die Jahresbilanz besteht jedoch nicht nur aus Zahlen. Mancher Kunde interessiert sich vielleicht mehr dafür, wie er seine Geldgeschäfte in Zukunft abwickeln kann. "Sparkassen sind ein Stück Infrastruktur", sagt Verwaltungsratsvorsitzender Lippert. Dazu bemerken die Sparkassenvorstände: "Wir bleiben in der Fläche." Allerdings wird auch von "Optimierung der Geschäftsstellenstruktur" gesprochen. Denn: "Wir haben täglich 4500 Kunden im Netz, aber nicht so viele in den Filialen." Deshalb sei "S@ON" als neu geschaffene digitale Beratungseinheit aufgebaut worden. Die Sparkasse Nordoberpfalz sei dabei Vorreiter unter den Sparkassen.

Seit Herbst letzten Jahres steht "S@ON" zur Verfügung. "Im Grunde können alle Bankprozesse digital ersetzt werden", sagt Zitzmann. Im neuen System gibt es unter anderem ein virtuelles Besprechungszimmer, Ansprechpartner, alle wichtigen Produkte sowie das Online-Banking. Kundenorientierte umfassende Beratung "für seine ganz spezifischen Anliegen" stellen die Sparkassenvertreter in den Mittelpunkt ihres Dienstleistungsangebots "persönlich mit Terminabsprache oder virtuell".

In den Filialen soll deshalb der "mitarbeiterbediente Service zu Gunsten einer ausgewogenen persönlichen Beratung reduziert werden". Dass "die Mitarbeiter der Sparkasse alle diese Veränderungen mittragen", erklärt der alternierende Verwaltungsratsvorsitzende Kurt Seggewiß.
Weitere Beiträge zu den Themen: Sparkasse (9730)Mai 2015 (7904)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.