Vogelfrei: Das Netz ist ab

Herzlichen Glückwunsch dem ungeliebten Federvieh. Der größte Taubenschlag der Stadt - das Josefshaus - ist wieder voll belegt. Die Feuerwehr hat am Freitag nach Rücksprache mit Besitzer Harald Rippl ein Abwehrnetz entfernt. In den letzten Wochen hatten sich laut Feuerwehr vier Tauben verheddert und mussten befreit werden. Bild: Hartl

Die Feuerwehr hat am Freitag ein Taubenabwehrnetz vom Josefshaus abmontiert. Die Drehleiter war im Einsatz. Erneut hatten sich zwei Vögel verheddert. Vor Ort war auch Josefshausbesitzer Harald Rippl, am Vorabend von den Flitterwochen zurückgekehrt.

(ca) Gefahr gebannt. Problem ungelöst. Die Tauben feiern fröhliche Urständ, sitzen in den K-Steinen und bekleckern den Gehweg am Adolf-Kolping-Platz darunter. Die Verschmutzung war der ursprüngliche Grund, warum Harald Rippl das Netz überhaupt montieren ließ. Die Stadt Weiden habe ihn schriftlich aufgefordert, für die Beseitigung des Taubendrecks zu sorgen. Und dazu müsse man die Ursache angehen, meint Rippl. "Wir haben in Weiden eine Taubenplage, die sich zunehmend verschlimmert."

Die Vögel machten "nicht nur Dreck, der nicht hübsch aussieht": Taubenkot mit Regenwasser greife das Mauerwerk an. Nicht umsonst sei die gesamte Altstadt gegen Tauben aufgerüstet, kaum ein Fenstersims ohne Metallspikes, kein Dach ohne Stromschlag-Draht. Daran störe sich niemand. Anders beim Josefshaus, bei dem die Anti-Tauben-Abwehr "plakativ" wahrgenommen werde: "Jeder sieht's. 250 Quadratmeter an Weidens größter Kreuzung." Er habe sich von einer Fachfirma beraten lassen, die ein Netz empfahl, und sein Vorhaben Umweltamt und Veterinärin beschrieben. Im Juli wurde das Netz aufgezogen.

Mit ungeahnten Folgen. Während Rippl auf Hawaii flitterte, kam es am Josefshaus zu drei Feuerwehr- plus drei Polizeieinsätzen. Am Dienstag und Mittwoch, 14. und 15. Juli, hatte sich je eine Taube verfangen. Daraufhin wurden nach Anleitung der Veterinärin Löcher ins Netz gemacht, um den Weg zu Nestern frei zu machen. "Dann war einige Tage Ruhe", so Stadtbrandrat Richard Schieder.

Vierter Einsatz am Freitag, 24. Juli: Erneut verfingen sich zwei Tiere in die Maschen und mussten befreit werden - das Netz wurde endgültig abgenommen. Schieder ist froh, dass die Feuerwehr künftig nicht mehr für Vögel-Befreiungsaktionen gebraucht wird. Er merkt aber schon an, dass hier "aus einer Mücke ein Elefant gemacht wurde". Es sei - entgegen anderslautender Gerüchte - keine Taube zu Tode gekommen. Nicht nachvollziehen kann auch Besitzer Rippl die große Lobby für Tauben: "Ich bin tierlieb, aber Tauben gehören nicht gerade zu einer bedrohten Tierart."

Verkauf oder Abriss

Was passiert nun mit dem Taubendreck vor dem Josefshaus? Ja, mit dem Josefshaus überhaupt? Rippl: "Ich werde es irgendwann abreißen oder verkaufen." Er warte ab, "was die da vorne machen", sprich: Fondara. In der Vergangenheit habe er mit Michael Thomas verhandelt, der jetzt in Amberg ein "Cineplexx" eröffnet hat. Aber zunächst war ja im Weidener Einkaufszentrum ein Kino vorgesehen. Das "verunsicherte". Aktuell trainiert im Josefshaus die Polizei, künftig auch die Bundespolizei, Gefahrenlagen wie etwa Geiselnahmen. Das Josefshaus eigne sich dafür hervorragend, so Rippl: "Es bietet perfekte Möglichkeiten sich zu verstecken. Für Tauben und Amokläufer."
Weitere Beiträge zu den Themen: Juli 2015 (8669)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.