Volkswirt Ralf-Joachim Götz sieht wirtschaftliche Entwicklung differenziert - Bei ...
"Der Motor läuft, aber mit Rückenwind"

Ralf-Joachim Götz. Bild: räd
(räd/we) Die Zinsen sind niedrig - und werden es auch bleiben. Beste Zeiten also, Geld in Immobilien anzulegen. Aber auch Lebensversicherungen sind bei den Deutschen nach wie beliebt, wie Ralf-Joachim Götz, Direktor und Chefvolkswirt der Deutschen Vermögensberatung, im Gespräch mit unserer Zeitung unterstreicht. Sein Unternehmen betreut nach eigenen Angaben rund 50 000 Kunden in der Region Oberpfalz/Oberfranken.

Lebensversicherungen seien wegen ihrer nach wie vor guten Verzinsung beliebt, erklärt Götz. Bei Riester-Produkten seien vor allem die staatlichen Zulagen von Vorteil. Bei Goldanlagen rät Götz zur Vorsicht. "Es hat viel von seinem Glanz verloren." Bei einer richtigen Krise werde das als Krisenwährung gehandelte Edelmetall im Wert nicht steigen, weil dann wohl viele Leute verkaufen müssten. Ebenfalls zurückhaltend ist Götz, was das "Zocken" angeht. "Sollte man nur, wenn man es sich leisten kann." Wenn ja, würden sich sogenannte Start-ups über Finanzspritzen freuen. "Das würde auch der Gesellschaft guttun." Solche Investitionen seien allerdings nicht risikolos. Scheitert ein Unternehmen, sei oft auch das Geld weg. Nicht schlecht fahre, wer auf die eigene Immobilie setze. "Für viele Menschen gehört sie zur Lebensplanung", sagt Götz. Allen, die dafür Kredite aufnehmen müssen, empfiehlt er jedoch, nicht zu knapp zu kalkulieren und auch auf steigende Zinsen vorbereitet zu sein - auch wenn es derzeit nicht danach aussieht. "Früher oder später wird es eine Zinserhöhung geben. Aber derzeit ist die Zeit noch nicht reif." Die Wirtschaftsdaten seien gut, die Preise stabil. "Der Motor funktioniert, läuft auch gut, aber mit viel Rückenwind", beschreibt Götz die derzeitige Wirtschaftssituation. Die Frage sei aber, wie sich der Mindestlohn oder die Rente mit 63 auswirken, wenn es schlechter läuft. Insgesamt wachse die Weltwirtschaft stärker als die deutsche Wirtschaft. Allerdings gilt: Wenn etwa das Konsumklima in China schwächelt, habe das auch Auswirkungen, etwa auf die deutsche Automobilindustrie.

Mit einer Prognose, wie sich der Flüchtlingszustrom auswirken könnte, hält sich Götz zurück. Zwar benötige die Wirtschaft Zuwanderung, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Aber: "Es kommen ja nicht die passgenauen Mitarbeiter." Die Integration verlange Veränderungsbereitschaft von beiden Seiten - von den Menschen, die hierher kommen, aber auch von den Deutschen.
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