Vom Töten und dem Umgang mit Büchern

Unterschiede zwischen den drei Religionen gibt es nicht nur inhaltlich, sondern auch im Umgang mit ihren heiligen Schriften. So landen alte Bibeln im Papiercontainer, eine unbrauchbare Tora-Rolle wird dagegen auf dem Friedhof bestattet, und ein Koran gilt gleich niemals als unbrauchbar.

Die Unterschiede illustrierte auch eine kleine Episode am Rande des Gesprächs: Pfarrer Forster fiel bei seiner Präsentation von Bibeln unabsichtlich eine zu Boden. Er hob sie auf, legte sie wieder auf den Tisch. Ganz normal für einen Christen. Ein Moslem, so erfuhren die Zuhörer, könne sich so etwas dagegen gar nicht vorstellen. Und im Judentum werde für solch ein Missgeschick gar eine Woche Fasten verordnet.

Die 100 Besucher schmunzelten - und beackerten die vier Kirchenvertreter nach deren Vorträgen mit Fragen, wobei sich fast alle an Imam Maher Khedr richteten. Zum Beispiel die, warum es Hassprediger im Namen des Islam gebe. Hier handle es sich um Imame, die nicht mit einem Studium ausgebildet worden seien und sich an Übersetzungen des Koran orientierten, antwortete Khedr. Dabei gelte eine Übersetzung aus dem Arabischen in der islamischen Theologie als unmöglich, weil jede Übersetzung zugleich Interpretation sei.

Auch wollte ein Besucher wissen, wie es ums Töten im Koran bestellt sei. Der Imam erläuterte, der Koran sehe vor, dass der Islam niemand angreift. Bezüglich des Tötens kenne der Koran drei Fälle: Das sei einmal "Kopf gegen Kopf", also - brutal ausgedrückt - die Blutrache. Außerdem in Kriegszeiten die Verteidigung. Und für Schwerverbrecher die Todesstrafe.

Hier zeigte sich wohl der größte Unterschied zwischen Talmud, Bibel und Koran: Friedmann stellte klar heraus, dass die Tora Töten verbiete - außer in Notwehr: Alle ihre Vorschriften seien außer Kraft, wenn das eigene Leben in Gefahr ist. Pfarrer Forster sieht hier eine Steigerung zum Guten in der Bibel. Diese sage, dass man seine "Feinde lieben soll". Der Michldorfer war es auch, der den zweistündigen Abend treffend beschloss: mit dem "Dialog zwischen den Religionen" aus dem neuen Gotteslob. (fz)
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