Von 0 auf 200

"Bildung kennt keine Grenzen" bei der VHS. Derweil setzten die Aufsichtsräte die Grenzen für ihre finanziellen Wünsche recht hoch an. Bild: Huber

Knapp und klar bringt der Kommunale Prüfungsverband sein Fazit über die Aufsichtsräte der Volkshochschule der Jahre 2008 bis 2013 auf den Punkt: "Festzustellen ist, dass der Aufsichtsrat seinen Überwachungspflichten nicht nachgekommen ist." Trotzdem wollen die Räte Geld für ihr Ehrenamt.

Zwar wechselte inzwischen die Besetzung, doch das Gremium sorgt nun wieder für Diskussion: mit einer überraschenden Forderung. Denn keinen müden Euro, gab's bisher für die zehn Aufsichtsratsmitglieder der Volkshochschule. Und das war ihnen doch zu wenig. Sie stellten mehrheitlich den Antrag auf eine "angemessene" Aufwandsentschädigung.

Allerdings überspannten sie den Bogen. Denn die geforderten 200 Euro pro Aufsichtsratssitzung war den Stadträten wiederum viel zu viel. "Wir sind regelrecht erschrocken", gesteht ein Stadtrat, als er von der Aktion der VHS-Aufsichtsräte erfuhr. Vor allem auch deshalb, weil die Volkshochschule nicht nur am Tropf, sondern regelrecht am Zapfhahn der Stadt Weiden hängt. Mit dem Betriebskosten-Zuschuss von 300 000 Euro sowie der Refinanzierung der Miete (467 853 Euro) und der Pacht für die bei der VHS eingemieteten Räume für die Sprachenakademie der Berufsschule (288 000 Euro) erhält die Volkshochschule inzwischen über eine Million Euro aus dem Stadtsäckel.

Die VHS-Aufsichtsräte hingegen nahmen in ihrer letzten Sitzung schon mal mutig bei den Verwaltungsräten des Kommunalunternehmens Stadtwerke Maß. Wie diese wollten sie künftig auch selbst entschädigt werden. Und so beschlossen sie am 9. Dezember, ihre Aufwandsentschädigung pro Sitzung von Null auf 200 Euro anzuheben. Zugleich schlugen sie die entsprechende notarielle Satzungsänderung der Volkshochschule Weiden GmbH vor.

Ungebührliche Wünsche

In nicht-öffentlicher Stadtratssitzung erhielten die VHS-Aufsichtsräte, darunter auch drei Dezernenten, am Montagabend jedoch einen Korb. Die Wünsche wurden von ehemaligen VHS-Aufsichtsräten sogar als ungebührlich empfunden. Stadtwerke und VHS seien nicht vergleichbar. Immerhin: Einen Teilerfolg konnten die gerügten Antragssteller für sich verbuchen. Auch wenn sie sich mit einem Zehntel der ursprünglich geforderten Summe zufrieden gegen müssen: Sie werden zumindest - wie die Stadträte - entschädigt, also mit 20,50 Euro für jede Sitzung. Doch zu wenig? Einige Aufsichtsräte kündigten mittlerweile ihren Rückzug aus dem VHS-Gremium an.
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