Von Bierpantschern und Politikern

Martin Stangl, Buchhändler und Verleger, hat wieder einmal zur Computertastatur gegriffen und ein Werk verfasst, dass viele bekannte, aber auch überraschende Details über die Oberpfalz aufzeigt. Bild: Steinbacher

Von der Bierpantscher-Walhalla bis zur kleinsten Gaststätte der Oberpfalz und vom Oberpfälzer Nobelpreisträger Johannes Nikolaus Stark bis zum "Kistnböiberl" Hans Beimler reicht der bunte Bogen, den Martin Stangl quer durch die Oberpfalz spannt. In seinem jüngsten Werk: "Oberpfalz - 99 Dinge, die Sie wissen müssen".

Weiden. (ps) Die Auswahl sei zugegebenermaßen sehr subjektiv, gesteht der Weidener Buchhändler und Verleger im Vorwort. Deutlich wird allerdings auch hier - wie in seinen Wörterböijchln" - seine Liebe zur Oberpfalz und ihren Besonderheiten. Denn davon hat die Region zwischen Tischenreuth und Regensburg, Neumarkt und Cham einige zu bieten: Wie beispielsweise die Bierpantscher-Walhalla. Davon haben Sie noch nichts gehört? Das - so verrät der Autor - ist die Burgruine Stockenfels im Landkreis Schwandorf.

Auf sie wurden laut Volksmund böse Geister verbannt, vor allem unredliche Bierbrauer und Wirte. Die kleinste Gaststätte der Oberpfalz befindet sich in Kallmünz und heißt "Zum Bürstenbinder". Sie bietet 30 Sitzplätze innen und drei Tische im Biergarten. Wahrlich nicht die Welt.

Bei seinen Recherchen hat Martin Stangl auch einige Erkenntnisse zutage gefördert, die den heimatkundlich recht bewanderten Weidener selbst überrascht haben. "Der Regensburger Dom gehört nicht der katholischen Kirche, sondern dem Freistaat Bayern", erzählt er. Oder: "Der Mitterteicher Kesselkrieg im 18. Jahrhundert wäre beinahe in einen Bürgerkrieg ausgeartet." Anlass war die Neuanschaffung eines Braukessels, wobei Material- und Kostenfrage die Bürgerschaft entzweiten.

Villa von Preisgeld gebaut

Dass die sogenannte "Stark-Villa" von einem Nobelpreisträger erbaut wurde, ist vielen Weidenern nicht bekannt. Der Oberpfälzer Johannes Nikolaus Stark - 1874 in der Gemeinde Freihung geboren - erhielt 1919 den Nobelpreis für Physik für "die Entdeckung des Dopplereffekts bei den Kanalstrahlen". Von dem Preisgeld errichtete er in Weiden die "Stark-Villa" (heute: Weinhof Peschke) - damals weit vor den Toren der Stadt gelegen.

Weniger in seiner Heimat als im Ausland gelangte Hans Beimler zu ungeahnter Berühmtheit. Der gebürtige Münchener, der bei seinen Großeltern in Waldthurn aufwuchs, gründete die Münchener KPD-Ortsgruppe, für die er 1930 in den Landtag einzog. 1932 wurde der Kommunist, der in seiner ärmlichen Kindheit nur eine Kiste zum Schlafen gehabt haben soll ("Kistenböiberl"), in den Reichstag gewählt. Doch unter der Nazidiktatur landete er im KZ Dachau. Johannes Baptist Beimler - so sein Taufname - konnte fliehen und organisierte von da an den Widerstand gegen Hitler aus dem Ausland. 1936 wurde Beimler - damals politischer Kommissar der deutschen Bataillone der internationalen Brigade - in Madrid ermordet. Über 300 000 Menschen kamen zu seiner Trauerfeier in die spanische Hauptstadt.

Martin Stangl: Oberpfalz - 99 Dinge, die Sie wissen müssen; Verlag Stangl & Taubald; Preis: 9,99 Euro.
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