Von Folter bis zu Exekution

Anfang der 80er Jahre hat sich Amnesty-Sprecher Veit Wagner für Gefangene in Südkorea stark gemacht. Jetzt befasst sich die Weidener Gruppe mit den grausamen Straflagern in Nordkorea: (von links) Veit Wagner, Hugo Braun-Meierhöfer und Pfarrer Hans-Peter Pauckstadt-Künkler. Bild: Porsche

Wer in der Kernzone des Lagers lebt, hat kaum eine Chance da wieder rauszukommen. Die Insassen haben keine Rechte mehr. Sie leiden Hunger, werden gefoltert, im Extremfall exekutiert. Nein, das ist nicht Vergangenheit. Das ist schreckliche Realität.

Weiden. (ps) Natürlich nicht in Deutschland. Aber es erinnert teilweise fatal an die deutsche Geschichte vor über 70 Jahren, was die Weidener Amnesty-Mitglieder Veit Wagner, Hugo Braun-Meierhöfer und Hans-Peter Pauckstadt-Künkler da erzählen. Sie machen sich stark gegen dieses Unrecht, hoffen, dass die Proteste auch bei der Regierung in Nordkorea etwas in Bewegung setzen.

Die Ausgangslage: Die Weidener Gruppe von Amnesty International engagiert sich jetzt für das Straflager Yodok in Nordkorea. Dass es derartige Einrichtungen in dem diktatorisch regierten Land tatsächlich gibt, ist vielen Menschen gar nicht bekannt, und es wird auch von der Regierung unter Kim Jong-un, dem sogenannten "Obersten Führer" der Volksrepublik Korea (Nordkorea), geleugnet.

Kaum einer kommt da raus

Dass diese Straflager - sechs an der Zahl - dennoch existieren, bestätigen Satellitenbilder und ein UNO-Bericht, basierend auf den Aussagen von 80 Zeugen, die über schreckliche Zustände berichten. "In den Straflagern gibt es einen Kern- und einen Außenbereich", erklärt Hugo Braun-Meierhöfer. "Wer im Kernbereich, der sogenannten total control zone, untergebracht wird, für den bedeutet das lebenslang. Es gibt angeblich nur ganz wenige Menschen, die da je wieder rausgekommen sind." Die drei Amnesty-Mitglieder warten mit weiteren erschreckenden Informationen auf: Für die Insassen der Lager gelten weder Menschen- noch Bürgerrechte. Übergriffe der Wachen werden nicht bestraft. Die Ernährung ist - in diesem Land, in dem die Welthungerhilfe ohnehin im Einsatz ist - ausgesprochen mangelhaft. Braun-Meierhöfer: "Etwa ein Drittel der Inhaftierten stirbt."

Dabei sitzen längst nicht nur Bürger ein, die zum Beispiel durch ihren Protest mit der Regierung in Konflikt geraten sind. "Dort herrscht Sippenhaft", sagt Pfarrer Hans-Peter Pauckstadt-Künkler. "Das ist wie im Konzentrationslager." Wenn ein Bürger in Ungnade gefallen ist, wird nicht nur er ins Lager geschickt, sondern auch seine Eltern und Kinder. Ein Nordkoreaner spricht in einem Amnesty-Video von der "Ausrottung der drei Generationen". Die Insassen arbeiten vom frühen Morgen bis zum Sonnenuntergang. Sie erhalten einmal im Jahr eine neue Uniform als Bekleidung. "Ein Mann, der aus Hunger im Lager Honig aus einem Bienenstock gegessen hat, wurde erst gefoltert und dann exekutiert", berichtet der Weidener AI-Sprecher Veit Wagner. Hinrichtungen finden öffentlich statt, die übrigen Insassen müssen zuschauen.

Einladung an Bärbel Höhn

Die Weidner Gruppe will die Situation der Gefangenen verbessern. Sie fordert von der nordkoreanischen Regierung die Existenz der Straflager einzugestehen und unabhängigen Beobachtern Zugang zu gewähren. "Folter und Hinrichtungen müssen gestoppt werden." Um die Weidener Bevölkerung für dieses Thema zu sensibilisieren, ist für 2016 eine Filmvorführung über die Situation in Nordkorea geplant. Angedacht ist auch ein Vortragsabend: "Der CSU-Abgeordnete Hartmut Koschyk aus Bayreuth und die Grünen-Abgeordnete Bärbel Höhn gehören der deutsch-nordkoreanischen Parlamentariergruppe an", sagt Veit Wagner. "Vielleicht können wir einen von ihnen als Referenten gewinnen."
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