Von Lieblings- und Liebestauben

Das Züchterpaar Irmgard und Gerhard Grünbauer mit ihrer Lieblings- und Liebestaube im Taubenzimmer, umgeben von vielen Trophäen. Bild: bk

Wenn die "Rennpferde der Lüfte" am Dach ankommen, betätigt Gerhard Grünbauer seine mit Erdnüssen und Mais gefüllte Schüttelbox, und die weißen Vögel suchen sofort den Schlag auf. Gerne steht er dann an den Wochenenden während der Flugsaison in seinem Taubenzimmer am Fenster.

Früher ist Grünbauer stundenlang vorm Taubenhaus auf und ab gegangen, um auf die Rückkehr zu warten. Inzwischen laufen die Reisetauben über eine Flugantenne und werden bei der Ankunft elektronisch erfasst. Idealismus, die Liebe zu den Tauben und eine Frau, die voll mitmacht, sind das Erfolgsgeheimnis. Als 14-Jähriger hat Grünbauer bei Reinhard Pienkny die Freude am Brieftaubensport entdeckt. Und es ist für das Ehepaar seit 1975 mehr als nur ein Hobby geworden. "Es ist Wettkampf und Leidenschaft, aber auch der innere Frieden, den uns die Tiere bescheren", betonen Irmgard und Gerhard Grünbauer gegenüber der AZ unisono.

Vorsitzender seit 1969

Er übernahm mit 18 Jahren 1969 den Vorsitz im drei Jahre zuvor gegründeten Verein Heimkehr 09453 Freihung und führt ihn seither ununterbrochen. Inzwischen ist die Zahl der aktiven Mitglieder auf fünf geschrumpft. "Brieftaubenvereine sind am Aussterben. Wir haben es versucht, aber junge Leute zeigen kein Interesse; sie greifen lieber zum Smartphone oder Tablet", bedauern die Thansüßer.

Mit den vielfach beschimpften "Ratten der Lüfte" habe die Brieftaube wenig zu tun, erklärt der Vorsitzende. "Die Stadttaube ist eine ganz andere Spezies." Brieftauben würden sich nie in der Stadt herumtreiben. "Sie sind entweder im Schlag oder fliegen, und dann kommen sie zurück. Sie sitzen nicht herum, verschmutzen keine Dächer und sind ständig unter ärztlicher Kontrolle. Deshalb haben sie weder Parasiten noch sonstiges Krankheiten." Sauberkeit sei wichtig im Schlag, fügt Grünbauer hinzu.

Ein extra Häuschen

220 farbige Brieftauben befinden sich in einem extra Häuschen. Anfangs schickte Grünbauer 62, jetzt etwa die Hälfte, auf Langstrecken-Leistungsflüge. Der Kabinenexpress startet jeweils von Schönlind zu Auflass-Orten in der Pfalz, Belgien oder Luxemburg. Ein starkes Charaktermerkmal der Brieftaube sei ihre ausgeprägte Treue. Immer wieder kehrt sie zu dem Schlag zurück, in dem sie geboren wurde.

Wie sich die Tiere bis zu 600 Kilometer orientieren und den Heimatschlag wieder finden - das bleibt, so das Züchterpaar, noch immer das Geheimnis der Vögel. Heuer kann das Ehepaar eine bislang einzigartige Erfolgsserie präsentieren: Insgesamt acht erste Plätze in der Reisevereinigung Sulzbach-Rosenberg als auch im Regionalverband 653, der sich von Burglengenfeld bis ins Fichtelgebirge erstreckt. "Man muss auch Leistungen vorweisen, um die Tauben wieder an den Mann zu bringen. Deshalb sind wir auch auf Messen vertreten", lässt der professionelle Züchter wissen.

Im eigenen Reich leben 80 weiße Tauben, die nur beim Hochzeitsservice zum Einsatz kommen. Mit ein bisschen Stolz hält Grünbauer seine sieben Jahre alte Lieblingstaube in der Hand. "Sie hat schon viele Hochzeiten mitgemacht zwischen Kemnath und Wernberg, Waldthurn und Neumarkt", erklärt er.

Ein echter Liebhaber kann von den Brieftauben nicht loslassen, bekennt der 64-jährige frühere Sparkassenangestellte, der sich auch im Kirchenvorstand der evangelischen Gemeinde und sieben Vereinen als Kassier engagiert.
Weitere Beiträge zu den Themen: Sparkasse (9730)September 2015 (7742)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.