Vor 50 Jahren: SpVgg Weiden gelingt Aufstieg in Regionalliga

Mit dieser Mannschaft schaffte die SpVgg Weiden im Jahr 1965 den Aufstieg in die Regionalliga Süd: (hinten von links) Peter Stockowy, Wolfgang Graßl, Albert Stowasser, Herbert Würdinger, Manfred Linz, Peter Krös; (vorne von links) Eberhard Meier, Franz Dornheim, Josef Schmeilzl, Edmund Haller und Herbert Kraus. Bild: hfz

Es war der größte Erfolg in der Vereinsgeschichte der SpVgg Weiden: Am 18. Mai vor 50 Jahren schafften die Wasserwerkler den glanzvollen Aufstieg in die Regionalliga Süd.

Dienstag, 18. Mai 1965: Eine Kolonne, bestehend aus Privat-Pkw und Omnibussen, wälzte sich an jenem Nachmittag von Weiden nach Straubing. Es war ein Tag, an dem quasi Stillstand herrschte im Wirtschaftsleben der Stadt. Viele Betriebe und Behörden drückten beide Augen zu und ließen ihre Beschäftigten ziehen. Jeder, der sich nur ein bisschen für Fußball begeistern konnte, fieberte an jenem Tag mit den Schwarz-Blauen mit. Die Ausgangslage war klar: Mit einem Sieg im letzten Saisonspiel beim TSV Straubing konnten sich die Weidener nicht nur zum Bayernliga-Meister krönen. Auch der kaum für möglich gehaltene Sprung in die Regionalliga Süd, die damals zweithöchste deutsche Spielklasse, wäre perfekt gewesen.

Zehn Punkte Rückstand

Dabei hatte es gegen Vorrundenende gar nicht danach ausgesehen, dass die Weidener in den Bayernliga-Titelkampf eingreifen könnten. Der gerade aus der Landesliga Mitte aufgestiegene Neuling schlug sich zwar ordentlich, aber zur Saisonhälfte hatte er als Tabellensechster satte zehn Punkte Rückstand auf Spitzenreiter SpVgg Bayreuth. Dann jedoch startete das mit einem unvergleichlichen Spielerpotenzial ausgestattete Team um Trainer Hans "Gockl" Döderlein eine bemerkenswerte Aufholjagd. Mit neun Siegen in Serie eroberten Kapitän Franz Dornheim und Co. einen Spieltag vor Saisonschluss die Tabellenführung. Nur noch ein Sieg fehlte zum ganz großen Triumph ...

Die Vereinschronik überliefert, dass an jenem Abend in Straubing zumindest einer die Ruhe in Person war. Seelenruhig spielte demnach Trainer Döderlein bis eine Stunde vor Spielbeginn im Vereinsheim des TSV Straubing Schafkopf. Auf die vielen Fragen nach seinem Befinden antwortete der Coach seelenruhig: "Wenn wir bis heute nichts getan hätten, wär's jetzt zu spät, sich noch aufzuregen. Außerdem gewinnen wir so oder so."

Und Döderlein behielt recht mit seiner mutigen Aussage: In einem echten Kampfspiel avancierte Eberhard Meier vor 3500 Zuschauern, darunter rund 3000 aus der Max-Reger-Stadt, zum Helden des Tages. Mit seinem golden Schuss überwand er in der 37. Minute den hervorragend haltenden Straubinger Amateur-Nationaltorwart Rudi Netzel, der ein Jahr später ans Weidener Wasserwerk wechselte. Zwar behauptete Netzel sofort nach dem Einschlag und auch später immer wieder, jenes goldene Tor zum Weidener 1:0-Sieg wäre Abseits gewesen, was aber an den Begeisterungsstürmen der Gäste aus der Oberpfalz nichts ändern sollte. Nach dem Schlusspfiff spielten sich auf dem Platz unbeschreibliche Szenen ab. Die mitgereisten SpVgg-Fans waren schier aus dem Häuschen und erdrückten beinahe ihre Helden.

Jubel und Freude kannten auch in Weiden keine Grenzen. In den Gasthäusern gab es mancherorts Freibier. "Der neue Tag" brachte noch am selben Abend eine Sonderausgabe heraus, in dem der Endstand der Bayernliga-Tabelle bestätigt wurde: 1. SpVgg Weiden 48:20 Punkte/75:42 Tore, 2. BC Augsburg 47:21/79:36, 3. SpVgg Bayreuth 44:24/80:47. Von der Meisterelf machten alle 34 Saisonspiele Franz Dornheim, Herbert Kraus, Manfred Linz und Torwart Josef Schmeilzl mit. Die besten Torschützen waren Manfred Linz (21), Wolfgang Graßl (17) und Herbert Würdinger (13).

Klassenerhalt verpasst

In einem waren sich rund um Weiden alle Fußballfans einig: Mit dem Durchmarsch von der Landesliga Mitte in die Regionalliga Süd war den Wasserwerklern ein Coup geglückt, der seinesgleichen suchte und in ganz Deutschland Aufsehen erregte. Leider blieb es nur bei einem einjährigen Regionalliga-Gastspiel. Mit 27:41 Punkten stiegen die Schwarz-Blauen nach einer unglücklich verlaufenen Saison 1965/66 wieder in die 1. Amateurliga Bayern ab.
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