Vor allem die Persönlichkeit zählt

Expertentipps aus erster Hand von Personalleitern namhafter einheimischer Unternehmen bekamen gut 400 Zuhörer in der Aula der Hans- und Sophie-Scholl-Realschulen. Moderiert wurde die Veranstaltung von Berufsberaterin Claudia Siegler (Mitte) von der Agentur für Arbeit Weiden. Bild: sbü

Dass die Berufswahl eine der wichtigsten Weichenstellungen im Leben des Menschen ist, bestätigte sich in der Realschul-Aula: Mindestens 400 Zuhörer kamen zur Podiumsdiskussion über das Thema "Was erwarten Betriebe von Bewerbern?". Die Liste der Empfehlungen, die sie dabei hörten, würde viele Seiten füllen.

(sbü) Der gemeinsame Eltern- und Schüler-Abend der Sophie- und Hans-Scholl-Realschulen fand abermals große Resonanz. Schließlich ging es um die Berufswahl, eine der zentralsten Fragen im Leben eines jungen Menschen. Was dabei von Bewerbern um Ausbildungsplätze erwartet wird, darüber diskutierten Personalchefs namhafter Unternehmen. Vor allem dürften es aber die zahlreichen Tipps und Empfehlungen der Experten gewesen sein, die für Schüler und ihre Eltern interessant waren. Zunächst gab es ganz einfache, fast selbstverständliche Ratschläge, etwa: "Das Piercing ist im Vorstellungsgespräch bei der Sparkasse ein absolutes No-Go."

So formulierte es Inge Bergler, Personalentwicklerin bei der Sparkasse Oberpfalz-Nord. "Jugendliche sollten im Vorstellungsgespräch authentisch sein, gepflegte Freizeitkleidung reicht", war einhellige Meinung der Diskussionsteilnehmer. Berufsberaterin Claudia Siegler lockte mit geschickter Moderation aus den Experten viel Insiderwissen heraus. Vor allem, dass es hauptsächlich auf die persönlichen Eigenschaften von Bewerbern ankomme und gar nicht so sehr auf die Zeugnisnoten.

Kritikfähigkeit erwünscht

"Manchmal stecken hinter schwachen Noten wunderbare Talente" sagte Theo Zeitler, Personalleiter von Witron. Vor allem auf die "Persönlichkeit des Bewerbers" kommt es ihm an. Soziale Kompetenzen nennt er das, was Personalleiter herausfinden wollten. "Kommunikationsfähigkeit wird im Bewerbungsgespräch und Teamfähigkeit im Assessment Center getestet." Auch Kritikfähigkeit und Verantwortungsbewusstsein seien wichtig. Zeitler appellierte auch an die Eltern und fordert mehr Zurückhaltung ein: "Manchmal weiß man nicht, ob sich die Eltern oder ihre Kinder bewerben."

Realschuldirektorin Susanne Genser empfahl "den Blick in die allgemeinen Bemerkungen des Zwischenzeugnisses". Dort könne man soziale Kompetenzen oftmals gut herauslesen. Für Cornelia Uschold, Personalreferentin bei Constantia Hueck Folien, sollte Jugendlichen "spätestens bei Abgabe der Bewerbung klar sein, welchen Beruf sie lernen wollen".

In der langen Reihe der Empfehlungen für zukünftige Berufsanfänger steht nach Meinung aller Experten das Praktikum ganz oben: An dessen Ende folge in vielen Fällen ein unterschriftsreifer Ausbildungsvertrag.

Für Witron-Personalleiter Zeitler ist "die Zusage für ein Praktikum schon fast eine Zusage für einen Ausbildungsvertrag". Thomas Kick, Metallbaumeister von Metallbau Korsche, plädierte vehement für die Wahl eines Handwerksberufs. "Schon nach vier, fünf Berufsjahren kann man Meister sein, eventuell studieren, seine eigene Firma gründen oder Führungspositionen innehaben." In einem "miserablen FOS-Abschluss sehe ich keinen Mehrwert", meinte Kick.

Auslandserfahrung? Gerne

Alle Personalexperten sahen auch Vorteile in Auslandserfahrungen vor der Ausbildung, zum Beispiel als "Au-pair-Kraft" oder bei "Work-and-Travel-Aufenthalten". Gute Fremdsprachenkenntnisse, vorrangig in Englisch, seien ebenfalls sehr nützlich. "Bewerbung heißt, Sie werben für sich", sagte Realschuldirektor Dr. Michael Meier.
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