Vor dem Ja zum Seniorenpolitischem Konzept stolpert Stadtrat über Altstadt-Pflaster
Steine des Anstoßes

Frisch verfugt und trotzdem ein altes Ärgernis: das Natursteinpflaster in der Fußgängerzone. Der Kinderwagen ist nicht das Problem. Eher Senioren mit Gehhilfen haben es hier schwer. Bild: Hartl
Der SPD-Antrag auf Erarbeitung eines seniorenpolitischen Gesamtkonzepts ist nicht mehr der jüngste. Er stammt aus dem Jahr 2010. Ergebnisse gab es im Juli 2015. Kritisieren will Fraktionsvorsitzender Roland Richter die lange Entstehungszeit trotzdem nicht - "angesichts der Ergebnisse". Die nämlich beurteilen die Stadträte über alle Parteien hinweg als äußerst wertvoll. Gestritten wird trotzdem.

Etwa über das rollatorfeindliche Kopfsteinpflaster in der Altstadt. Oder darüber, wie sich die Arbeitsgruppe (AG) zusammensetzt, die an der Umsetzung arbeiten wird. Dabei soll der Stadtrat in seiner Sitzung nur das Konzept im Grundsatz - vorbehaltlich der Mittelbereitstellung - sowie eine Arbeitsgruppe für die Umsetzung genehmigen.

Doch wie setzt sie sich zusammen? Sozialdezernent Hermann Hubmann plädiert dafür, das offen zu lassen. "Eventuell gründen wir einen Seniorenbeirat und er behandelt das." Er favorisiert zudem eine wechselnde Besetzung, um keinen auszuschließen oder dauerhaft zu verpflichten.

Reinhold Wildenauer (Bürgerliste) will die Teilnahme am Umsetzungsteam nicht missen. Selbst Jahrgang 1953 und damit Zielgruppe sei er. Obendrein fungierte er als Mitglied des Begleitgremiums zur Erstellung des Konzepts. Dieses Gremium sei eingearbeitet und für die Umsetzungsarbeit prädestiniert.

CSU-Fraktionschef Wolfgang Pausch ist's einerlei, ob ein Beirat, der "bewährte Seniorenbeauftragte" oder das Begleitgremium sich kümmert: "Hauptsache, wir beschließen das Konzept, das dann auch in die Ortsverbände getragen werden muss." Damit sage der Stadtrat aber Ja zu etwas, das teils gar nicht umgesetzt werden kann, warnt Gisela Helgath (Grüne) und spielt auf das Konzeptziel "hindernisarme Umgebung" an: "Den Belag in der Altstadt zu ändern, ist aber nicht möglich. Das wollen wir schließlich schon seit 2006." - "Deshalb das ganze Konzept in Frage zu stellen, darf nicht sein", meint OB Kurt Seggewiß. Es sei nicht fair, eine barrierefreie Altstadt für alle haben zu wollen, aber nur die Anlieger dafür zahlen zu lassen. "Wir sind da in München dran. Aber das dauert." Alles lasse sich eben nicht sofort umsetzen. Und muss auch nicht: "Das Konzept ist teils auf Mittelfristigkeit ausgerichtet" - und am Ende von allen genehmigt. Offen bleibt, wer sich der Umsetzung annimmt.
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