Vor Herzstillstand Hilfe holen

Dr. Gerhard Jilge erläutert, wie die koronare Herzerkrankung behandelt wird und welche Nebenwirkungen dabei auftreten können. Weitere Referenten: Dr. Gudrun Graf und Professor Dr. Robert Schwinger. Bild: dko

Drei Stunden. So lange dauert es im Durchschnitt, bis bei einem drohenden Herzinfarkt der Krankenwagen gerufen wird. "Zögern Sie nicht, wählen Sie 112!", fordern deshalb die Referenten beim Vortragsabend "Herz in Gefahr!".

Die Präsentation von Professor Dr. Robert Schwinger variiert zwischen medizinischem Fachvortrag und beschwörender Ansprache. In verschiedenen Varianten wiederholt er an diesem Abend regelmäßig sein Mantra: "Wählen Sie 112! Ich habe im Jahr 25 bis 30 Fälle, bei denen ich das Herz wieder einwandfrei zum Schlagen bekomme, aber der Patient hirntot ist!" Schwinger übernimmt die Rolle eines medizinischen Predigers. Seit 1997 ist die Sterblichkeit bei Herzinfarkt stark zurückgegangen, erzählt er. Die Patienten können mit dem Hubschrauber jetzt auch viel schneller zum Krankenhaus gebracht werden. Was seit fast 20 Jahren nicht zurückgeht, ist die Zeit, bis der Notarzt verständigt wird. "Bitte gehen Sie nicht erst am Montag mit dem Herzinfarkt zum Hausarzt!", beschwört er sein Publikum.

Schnelle Online-Diagnose

Robert Schwinger muss es wissen. Seit 2006 ist er Chefarzt der Medizinischen Klinik II in Weiden. Er ist auf die Behandlung von Herzerkrankungen spezialisiert. Ruft jemand den Notarzt zu spät, trifft ihn das auch in seinem persönlichen Engagement: Ihm ist es nämlich zu verdanken, dass in Weiden mit staatlicher Unterstützung das erste Herzinfarkt-Netz in Deutschland eingerichtet wurde. Und dieses Netzwerk soll gerade die Zeit bis zur rettenden Behandlung des Patienten verkürzen. Funktionieren soll das durch Digitalisierung: Der Notarzt kommt beim Patienten an und erstellt als erstes ein EKG. Über Satellit wird es sofort zur Diagnose an die Notaufnahme im Krankenhaus und an das Smartphone des Oberarztes weitergeschickt. Dort wird dann alles passgenau für die Not-OP vorbereitet. Kommt der Patient an, kann er sofort operiert werden. Die schnelle Datenübertragung beschleunigt so die Diagnose und damit die Heilungschancen erheblich. "Deshalb rufen Sie den Notarzt und fahren Sie bitte nicht selbst ins Krankenhaus!", sagt Schwinger.

Nicht nur, wenn es akut wird, sollte man sich mit dem Herz beschäftigen, mahnt Dr. Gudrun Graf. Im Notdienst hat sie häufig mit Herzinfarkten zu tun. Man könne zwar mit einem schwachen Herz lange und gut leben, wenn sich die Situation aber zusehends verschlechtere, müsse der Arzt sich das ansehen. "Viele wissen nicht, dass sich bei ihnen eine koronare Herzerkrankung entwickelt hat", gibt die Ärztin zu bedenken. Anzeichen für eine Herzerkrankung sei ein deutlicher Abfall der Leistungsfähigkeit. Alarmzeichen für einen akuten Herzinfarkt seien schwere, länger als fünf Minuten andauernde Schmerzen. Dazu kämen Übelkeit, Brechreiz, Angst und Schwäche.

Lebenslange Behandlung

Wird rechtzeitig der Notarzt gerufen, können Langzeitschäden am Herzen verhindert werden. Die Frauen sollten nicht immer auf den Mann hören, der sage: "Jetzt hab dich nicht so, das wird schon." Vorbeugen könne man mit einer aktiven Lebensweise und einer leichten, mediterranen Küche. Neben der Veränderung der Lebensweise helfen auch Medikamente weiter. Dr. Gerhard Jilge klärte deshalb über die verschiedenen Wirkstoffe und Nebenwirkungen bei der Behandlung der koronaren Herzerkrankung auf.

Einig waren sich alle Vortragenden beim Thema Rauchen. Wer raucht, verdoppelt sein Herzinfarktrisiko, wer als Frau dazu noch die Pille nimmt, vervierfacht es. Jilge merkte dazu an: In Fällen chronischer Erkrankung sei oftmals die Einnahme von drei verschiedenen Medikamenten erforderlich. Das gleiche Ergebnis könne häufig auch dadurch erreicht werden, dass die Patienten einfach mit dem Rauchen aufhörten.
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