Vorreiterinnen aus Weiden

Chemie stand schon zu Beginn auf dem Lehrplan des Sozialwissenschaftlichen Zweiges, der anfangs nur für Mädchen war. Themen dabei unter anderem: Backtrieb- oder Waschmittel.

In ganz Bayern feiert der Sozialwissenschaftliche Zweig an den Gymnasien heuer sein 50-jähriges Bestehen. Zu den Vorreitern damals gehörte auch das Elly-Heuss-Gymnasium. Dabei war das, was heute Flagschiff für politische Bildung ist, ursprünglich ganz anders konzipiert.

Es begann ein wenig paradox. 1965 startete der Sozialwissenschaftliche Zweig am "Städtischen Mädchenrealgymnasium" (heutiges "Elly") und 26 weiteren bayerischen Schulen. Was heute an mehr als 50 Gymnasien zu finden ist, war gedacht als Angebot speziell für Mädchen an höheren Schulen. Es gab Fächer wie Sozial-, Erziehungs- und Haushaltslehre. Dies mag zunächst wenig emanzipatorisch wirken. Im Rückblick war es aber genau dieses Angebot, das einen Versuch darstellte, mehr junge Frauen, insbesondere katholische Arbeitermädchen vom Land, zur gymnasialen Bildung zu bringen.

Entscheidendes Urteil

Eine Frauendomäne blieb es freilich nicht. Nach einem Gerichtsurteil wurde der Zweig Ende der 1980er Jahre auch für Jungen geöffnet, wenngleich das "Elly" eine Mädchenschule blieb. Mit der Öffnung wandelten sich aber ebenso die Inhalte, da jetzt ein Fach wie Hauswirtschaftslehre immer problematischer wurde. So wurde nun mehr Gewicht gelegt auf soziologische und politische Aspekte, verbunden mit einer Erweiterung der Themen. Wobei sich das "Elly" häufig an die Spitze der Modernisierungsbemühungen stellte, wiederholt Modellschule wurde.

Einen weiteren Wandel brachte schließlich der Wechsel zum achtjährigen Gymnasium 2004. Nicht nur, weil das Sozialwissenschaftliche Gymnasium seither als "Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Gymnasium mit sozialwissenschaftlicher Orientierung" firmiert. Viele Themen sind zwar lebensweltbezogen, jugendnah und erlauben viel Nähe zu aktuellen politischen und gesellschaftspolitischen Fragen. Eine Vertiefung von Inhalten wie vordem im Leistungskurs Sozialkunde in der Oberstufe ist so jedoch nicht mehr möglich. Es blieb gerade noch die Wahlmöglichkeit für die zweistündige Sozialkunde und den Kurs Sozialwissenschaftliche Arbeitsfelder.

Eine Besonderheit des Zweigs heu ist weiter, dass er als einziger Pflichtpraktika fordert. Das "Elly" hat damit positive Erfahrungen, besonders was die Persönlichkeitsbildung der Schülerinnen anbelangt. Einen ausführlichen Bericht, auch angereichert mit Beispielen aus dem gymnasialen Alltag, hat stellvertretender Schulleiter Friedrich Wölfl verfasst. Zu finden ist der Text im Oberpfalznetz.
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