Vortrag von Prof. Dr. Albrecht Beutelspacher in der Volkshochschule mit höchstem ...
Mathematik und viele Zaubereien

Mehr als nur eine Pyramide: Prof. Dr. Albrecht Beutelspacher überrascht immer wieder auch mit seinen "Zaubereien". Bild: sbü

Die Mathe-Ausstellung ist schon jetzt ein Renner. Bereits 50 Schulklassen haben sich angemeldet. Wer noch nie verstanden hat, warum er lernen soll, dass die Winkelsumme im Dreieck 180 Grad beträgt, dem geht jetzt ein Licht auf.

Wie aus einer Mathematik-Stunde eine Unterhaltungsshow werden kann, das erlebten die zahlreichen Besucher der Eröffnungsveranstaltung der Ausstellung "Mathematik zum Anfassen". Vielleicht lassen sich auch viele Lehrer davon inspirieren.

Anders als bei den meisten Vorträgen strömten diesmal die wenigsten Besucher am Ende der Veranstaltung direkt zu den Ausgängen. Fast alle waren vom Vortrag so fasziniert, dass sie umgehend versuchten, sich an den Ausstellungsstücken weiter mit dem Thema zu befassen. Wie es gelingt, Mathematik zur Unterhaltungsstunde und zum Publikumsmagneten zu machen, das demonstrierte Professor Dr. Albrecht Beutelspacher von der Universität Gießen.

Der wiederholte große Beifall für den Wissenschaftler war Beweis, wie ein Vortrag die Aussagekraft einer ohnehin schon interessanten Ausstellung nochmals erheblich steigern kann. So sahen die Zuhörer nicht nur mathematische Experimente, sondern hörten auch viele fast schon philosophische Hintergründe der Mathematik.

Weil die Sätze aus dem Munde eines renommierten Mathematik-Professors kamen, wirkten sie noch überzeugender. Zum Beispiel die Feststellung, dass "Mathematik den Geist anregt und sie immer zu neuen Erkenntnissen führt". Oder auch die Aussage "Mathe ist immer objektiv".

Zaubereien

Zu seinen wie Zauberei wirkenden Experimenten bemerkte Prof. Beutelpacher auch: "Gerne wäre ich Zauberer, aber man kann die Naturgesetze nie außer Kraft setzen." Seinen Zuhörern lehrte der Experte auch die aus Indien stammende vedische Mathematik. Mit dieser Methode können zum Beispiel mehrstellige Multiplikationsaufgaben auf schnelle und einfache Art gelöst werden.

Viel Beifall bekam der Professor, als er aus zwei Papierstreifen durch Bogenbildung und Schnitten am Ende einen quadratischen Rahmen "zauberte". Ähnlich begeistert waren die Zuschauer, als aus zwei Papierstreifen, als sogenanntes Möbiusband gefaltet, schließlich zwei in sich verschlungene Herzen wurden.

Schwierig, schwierig

"Mathematische Experimente funktionieren immer" stellte Prof. Beutelspacher fest. Bedauerlich für ihn ist, "dass wir nicht genau wissen, wie die Römer gerechnet haben". Schließlich hätten diese für ihre zahlreichen Bauwerke umfangreiche Berechnungen anstellen müssen. Im Vortrag wurden einzelne Exponate der Ausstellung im Detail vorgeführt, so unter anderen eine "zerschnittene Dreiecks-Pyramide, die zusammengefügt werden muss". Die meisten Besucher würden sich "dabei fast die Zähne ausbeißen", meinte der Professor.

Beutelspacher kennt alle Exponate bis ins Kleinste. Schließlich ist die Wanderausstellung von ihm und dem von ihm gegründeten "Mathematikum Gießen" zusammengestellt worden. In zahlreichen Städten war sie schon zu sehen und hatte bisher immer Tausende begeisterter Besucher angelockt.

Alle, die interessiert sind, die Riesenseifenhaut, das Riesenkaleidoskop oder die Leonardo-Brücke kennenzulernen, sowie die sich von kniffligen Konstruktionsaufgaben herausfordern lassen, können dies laut Veranstalter Stefan Frischholz und Leonhard Dietrich von der VHS Weiden bis zum 4. Oktober in der Aula der Weidener Volkshochschule noch tun.
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