Vulkane nebenan

Geologe Dr. Frank Holzförster demonstrierte beim Freundeskreis Tutzing die Bewegungen im Erdinnern und wie dadurch Vulkane und Erdbeben entstehen können. Bild: sbü

Dass unsere Region geologisch viel mit Afrika zu tun hat, überraschte viele Besucher beim Vortragsabend des Freundeskreises Tutzing. Doch Dr. Frank Holzförster ließ keinen Zweifel: Weiden liegt am Randes des aktivsten Vulkangebiets Zentraleuropas.

(sbü) Wer den Vortrag im Haus der evangelischen Gemeinde gehört hat, weiß jetzt genauer, in welcher geologischen Region wir leben. Dr. habil. Frank Holzförster, Wissenschaftlicher Leiter des GEO-Zentrums an der KTB, gab einen tiefen Einblick in die Erdunterwelt der nördlichen Oberpfalz und Westböhmens. Dabei war zu hören, dass Weiden am Rande des Egerer Beckens, auch Egergraben oder Eger-Rift genannt, liegt. Und das ist das "aktivste Vulkangebiet Zentraleuropas".

Sehr erdbebenaktiv

Knapp hinter Marktredwitz beginnend, und von Eger über Sokolov bis weit nach Tschechien hinein, verläuft diese kontinentale Dehnungsfuge. Bei der Stadt Eger hat sie ihre breiteste Ausdehnung und sie ist sehr erdbebenaktiv. Dr. Holzförster erklärte, warum dies so ist und wie die Fuge entstanden sei. Viel mit Afrika habe es zu tun, erklärte er. Vorher hatte er schon dargestellt, dass für Geologen die Erdoberfläche hauptsächlich aus Platten bestehe, die sich verschieben. Und: Die afrikanische Platte drückt nach Norden. Dies führte zu Aufwölbungen, zunächst der Alpen aber dann auch zu den bergigen Landschaften unserer Region wie zum Beispiel Erzgebirge, Fichtelgebirge und Oberpfälzer Wald. Dabei komme es auch zu Bruchprozessen, die auch das Egerer Becken entstehen ließen. Dieses Becken sei sehr erdbebenaktiv, weil an dieser Bruchstelle aus dem Erdinnern das Magma Gas nach oben drücke und dadurch immer wieder Bewegungen an der Erdoberfläche auslöse.

Ein junger Vulkan

In diesem Zusammenhang sei auch Vulkanismus entstanden. Basaltkegel Parkstein und der Rauhe Kulm datieren schon von vor rund 28 Millionen Jahren. Doch der Vulkan Eisenbühl an der deutsch-tschechischen Grenze "ist erst 300 000 Jahre alt". Allerdings konnte Dr. Holzförster seine Zuhörer beruhigen, denn seine Statistik der Erbeben der letzten beiden Jahrzehnte enthielt Erdbebenwerte unter der Zahl Drei auf der sogenannten Richterskala. Kennzeichnend für diese Erdbeben sei auch, dass sie in Form von Erdbebenschwärmen auftreten. So bezeichne die Geologie länger anhaltende Serien von Erdbeben.

Damit die Zuhörer die geologischen Geschehnisse um uns herum auch verstehen konnten, bot Dr. Holzförster vorher eine Lehrstunde über die Entstehung der Erde, nach dem sogenannten Urknall. Die allmählich erstarrte Erdoberfläche war (und ist) durch eine Vielzahl von Platten zerrissen. "Diese Platten haben Ränder" erläuterte der Wissenschaftler und an den Rändern komme Magma nach oben. Drei verschiedene Arten von Verwerfungen und dadurch entstehende Vulkane und Erdbeben unterschied er: Platten, die sich aufeinander zu bewegen. Platten, die sich voneinander weg bewegen und solche, bei denen sich die eine unter die andere schiebt. Diese Konstellationen bestimme dann auch die Art des Vulkans und der Erdbeben. Namen fielen wie Schichtvulkan, Spaltenvulkan oder Stratovulkan.

Frage nach Fracking

Dr. Holzförster nahm auf Wunsch der Zuhörer zur aktuellen Fracking-Diskussion Stellung. Zurückhaltend äußerte er sich dazu: "Geologisch gesehen sei gegen Fracking grundsätzlich nichts einzuwenden, aber es kommt immer auf die Einzelfallgestaltung an", sagte er. Jedes Bohrloch müsse gesondert untersucht und beurteilt werden. Und im Weidener Becken sieht der Wissenschaftler ohnehin keine "wirtschaftlich sinnvollen Energiequellen".
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