Waches Auge auf Rechnungen

Baut der Bauer einen Stall, muss er Rechnungen ganz genau begutachten. Will er seinen Hof übertragen, muss er schnell handeln. Das sind nur zwei der vielen Tipps, die eine Steuerberaterin den Landwirten bei einem Infoabend mitgegeben hat.

Ein kleines EU-Land wie Kroation sorgt für große Aufregung unter der Bauernschaft im vollen Postkellersaal. Wegen vermeintlicher Mauscheleien dort gilt hierzulande nämlich eine neue Regelung. "Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers" heißt sie formal. Beim Infoabend des Bauernverbands zum Thema "Steuern und Soziales" erklärt Steuerberaterin Ida Gierisch, was das bedeutet.

So könne die Freude über eine nicht berechnete Mehrwertsteuer bei einer Rechnung eines Metallunternehmens 2015 trügen. Könne es doch sein, dass der Rechnungssteller gar keine Mehrwertsteuer bezahlen muss. Stattdessen müsse der Rechnungsempfänger die Steuer entrichten. Und zwar direkt ans Finanzamt. Vorausgesetzt auf der Rechnung ist der bereits erwähnte Vermerk "Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers" zu finden. "Da wedelt doch der Schwanz mit dem Hund", empört sich ein Landwirt über den Mehraufwand, der auf die Bauern zukommen kann, sobald sie Metallerzeugnisse wie Baustahl, Eisen, Kupfer und Aluminium benötigen. Gierisch von der BBV-Steuergruppe hofft auf eine Umsetzung einer Bagatellgrenzen von 5000 Euro, um kleinere Geschäfte zu befreien. "Bis dahin aber ist Wachsamkeit bei den Rechnungen geboten", warnt die Expertin.

Mindestlohn: 7,40 Euro

Ein weiteres Thema waren die Vorschriften zur Verschonung betrieblichen Vermögens. Sie sind hinsichtlich der Einkommenssteuer verfassungswidrig. Das entschied das Bundesverfassungsgericht am 17. Dezember 2014. Die Folge: Der Gesetzgeber muss bis spätestens 30. Juni 2015 handeln. Deshalb empfahl Ida Gierisch den Bauern, anstehende Hofübertragungen jetzt in den Familien zu besprechen, um schnell handlungskompetent zu sein.

Beim Paragrafen 13a "Gewinnermittlung für landwirtschaftliche Kleinbetriebe bis 20 Hektar" gibt es zum 1. Juli Änderungen. So ist dann ein pauschaler Grundbetrag von 350 Euro je Hektar vorgesehen. Maßgebend ist der Flächenbestand am 15. Mai des jeweiligen laufenden Wirtschaftsjahres. Es gibt keinen Abzug von Pachtzahlungen und Schuldzinsen mehr. Für die ersten 25 Vieheinheiten entfällt der Zuschlag. Alle weiteren Vieheinheiten erhalten ein Aufgeld von 300 Euro je Einheit. Für Beschäftigte in der Landwirtschaft gilt ab 1. Januar 2015 7,40 Euro Mindestlohn. Dieser steigert sich auf 8 Euro ab 2016 und 8,60 Euro ab 2017.

Die Arbeitszeit bedarf der wöchentlichen Dokumentation. "Notwendig sei die Überprüfung der Arbeitsverträge," riet die Steuerberaterin. Da der Wegfall der Krankenversicherung für mitarbeitende Familienangehörige drohe, sei ein klärendes Gespräch mit der landwirtschaftlichen Krankenkasse zu suchen. BBV-Geschäftsführer Hans Winter wies auf die neue Möglichkeit einer Betriebshilfe bei der landwirtschaftlichen Pflegekasse hin. Das Potenzial der Linderung und Heilung durch Osteopathie erkannte die landwirtschaftliche Krankenkasse. Sie gewähre Zuschüsse von 250 Euro jährlich, wenn ein Arzt die Behandlung für erfolgversprechend hält.

Ohne Bild geht nichts mehr

Die landwirtschaftliche Pflegekasse erhöht ihren Beitrag von 227 auf 232 Euro ab diesem Jahr. Übrigens: Die elektronische Gesundheitskarte mit Bild ist ab sofort Pflicht. Liegt keine vor, darf der Arzt privat abrechnen.
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