Wahre Größe

Derzeit feilt Josef Hauer noch an der Kuppel - das "Sahnehäubchen" auf seinem Werk: In fünf Monaten zimmerte der 78-jährige Parksteiner den Dachstuhl des Alten Rathauses nach. Originalgetreu bis ins Detail - nur im Maßstab 1:15. Bild: Gammanick

Ein gigantisches Werk - und doch 15 Mal kleiner als das Original: Der Parksteiner Josef Hauer baut den Dachstuhl des Weidener Alten Rathauses nach.

Dem Prachtstück fehlt nur noch das Sahnehäubchen. Sprich: die Kuppel samt Türmchen. Ein wenig Feinarbeit, und Josef Hauer kann sie aufs imposante Gebälk setzten. Dann ist's tatsächlich vollbracht: der Dachstuhl eines Weidener Wahrzeichens - des Alten Rathauses. Neu gezimmert im Maßstab 1:15 in einer Parksteiner Werkstatt.

Fünf Monate hat der 78-Jährige daran gearbeitet. Winzige Details verraten, wie akribisch er dabei vorging: 1850 Holznägelchen stecken in den "Balken" - jeden einzelnen davon schnitzte Hauer selbst. "Geduld braucht man dazu schon", sagt der Zimmerermeister. "Aber als Rentner habe ich ja Zeit." Weshalb der originalgetreue Nachbau von historischen Dachstühlen - vom Bergkircherl Parkstein bis hin zum hochkomplexen Regensburger Salzstadel - auch sein großes Hobby ist. Das Alte Rathaus ist sein 21. Werk in zehn Jahren.

Hommage an Vorfahren

Der Parksteiner begreift seine Miniaturen als Hommage an die Handwerker der vergangenen Jahrhunderte. "Ich kann gar nicht sagen, wie fasziniert ich bin", schwärmt er vom Dachstuhl des Alten Rathauses. "Wie ausgefeilt diese Arbeit schon im Jahr 1539 war ..." Und er lobt beispielsweise die enorme Weite des freigespannten Dachstuhls über dem großen Rathaussaal. Das Amberger Architekturbüro ALS zeichnete ihm die Pläne auf Grundlage der historischen Vorlagen, der Meister selbst übertrug sie jeweils auf den Reißboden. Wie die Zimmerer vor 500 Jahren ging er vor - nur halt in kleinerem Maßstab.

Das nächste Projekt? Zunächst wolle er eine kleine Pause einlegen, sagt Josef Hauer. Der Dachstuhl des Alten Rathauses soll bei einer Ausstellung in der Kreishandwerkerschaft zu bewundern sein. Wo er dauerhaft unterkommt, steht noch nicht fest. Im Stadtmuseum sei wohl kein Platz für das 2,50 mal 1,30 Meter große Modell.

Dabei könnte es nicht nur einem Fachpublikum vor Augen führen, welch großartige Leistung die Handwerker vergangener Zeit vollbrachten. Mit leuchtenden Augen urteilt der Experte übers Alte Rathaus: "Zimmereimäßig ein richtiges Kunstwerk!" Es wird nicht wenige geben, die eben das über Josef Hauers Version sagen werden.
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