Wald nützen, Wald schützen

An die Blockhütte am Fischerberg laden die Stadt Weiden sowie das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten zum "Tag hoch drei" ein. Revierförsterin Andrea Sauer und Stadtförster Wolfgang Winter wollen am 13. September ab 13 Uhr bei den bis zu einhalbstündigen Führungen über "Wald-Natur-Schutz" informieren. Auch Oberbürgermeister Kurt Seggewiß unterstützt die Aktion "Wald nützen und schützen". Bild: Götz

Ein Stück nur. Doch dieses Stück Birkenrinde hat mehr zu erzählen als ein ganzer Bogen Papier, meint Stadtförster Wolfgang Winter. Und viele dieser Geschichten aus dem Wald wollen er und die sieben Revierförster aus dem Landkreis Neustadt am 13. September erzählen - beim Aktionstag "Wald nützen, Wald schützen".

Der Freistaat ehrte die Stadt Weiden bereits für die vorbildliche Forstwirtschaft, die hier seit Jahrzehnten betrieben wird. Deshalb war es für Winter selbstverständlich, dass sich die Stadt am "Tag hoch drei" beteiligt, zu dem Landwirtschafts- und Forstminister Helmut Brunner einlädt. Mit dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten will Winter den Bürgern die nachhaltige Forstwirtschaft nahebringen. Und dazu dienen eben auch die "Geschichten", die der Stadt- und die Revierförster bei den eineinhalbstündigen Rundgängen zum Besten geben. Start und Ziel ist jeweils die Blockhütte an der Staatsstraße nach Vohenstrauß.

Raubbau und Kahlschläge sind längst tabu. Vorbild der ökologischen Waldnutzung ist der "wilde Wald", in dem die natürliche Vielfalt erhalten bleibt. Dies bedeutet eben auch, dass die "Waldgiganten", die Winter stolz in seinen Beständen hat, nicht gefällt, nicht vermarktet werden, sondern stehen bleiben, der Verjüngung dienen dürfen und danach, wenn sie bereits als Totholz gelten, Lebensraum für Pilze und Insekten bilden.

Nutzwald, kein Reservat

"Nutz und Schutz" des Waldes solle auf ein und derselben Fläche möglich sein, betont auch Revierleiterin Andrea Sauer, die in Kooperation mit Stadtförster Wolfgang Winter den "Tag hoch drei" organisiert. Ebenso wie der Stadtförster steht sie Forderungen skeptisch gegenüber, nach denen fünf bis zehn Prozent des Waldes "total still gelegt" werden sollen. Im Gegenzug, so die Überlegungen, sollten dann die verbleibenden Waldflächen umso intensiver genutzt werden können.

"Das ist nicht unser Weg", stellte Wolfgang Winter fest. Im Stadtwald blieben viele alte Bäume erhalten, wie etwa die Berg-Ulme am Talweg oder Bayerns zweitgrößte Tanne oben am Butterhof. Kontinuierlich erfolge der "Umbau" der Wälder. Fichten- und Föhren-Monokulturen werden "aufgebrochen", mit Ulmen, Linden oder Spitzahorn unterpflanzt. Mischwälder, so ergänzt Revierleiterin Andrea Sauer, seien besser in der Lage, den Stress zu bewältigen, dem sie durch den Klimawandel ausgesetzt sind. Gerade die Kommunen, so Sauer, seien angehalten, vorbildliche Forstwirtschaft zu betreiben.

Die Forstwirte im Bereich Weiden gehörten zu den Vorreitern bei der nachhaltigen Forstwirtschaft im Stadt- und Stiftungswald. Auch im Privatwald seien längst die Zeichen der Zeit erkannt, betonte Revierleiterin Sauer. Der Stiftungswald erwirtschafte, so bestätigte Stadtförster Wolfgang Winter, "sogar ausgesprochen positive Ergebnisse".

Stadt ist Vorreiter

Stadtförster Winter sowie die sieben Revierförster gewähren am Sonntag, 13. September, ab 13 Uhr, einen Einblick in ihre Arbeit. Die Pfadfinder St. Georg sorgen auf der Blockhütte für die Verpflegung der Gäste. Fragen zur Waldwirtschaft werden unter www.wald-naturschutz@aelf.bayern. de beantwortet.

Und dann erzählt der Stadtförster doch noch die Geschichte seines Stücks Birkenrinde. Der Baum habe wohl 60 Jahre lang gelebt, sei oben am Fischerberg gewachsen. Selbst als er abstarb, blieb er stehen und nützte als Totholz ein Jahrzehnt lang der Natur, bot Specht und Haubenmeise eine Heimat. Der Birkenporling siedelte sich an. Und mit diesem Pilz kamen Käfer und Milben.
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