"Was ist dir nur passiert?"

Vom Kirchenpfleger über den OB bis hin zur Bayern-SPD: Alle sorgen sich um Wolfgang Göldner, der angeblich Geld braucht, weil er ausgeraubt in Zypern festsitzt. Tatsächlich ist der Chef der SPD-Mitte Opfer eines Internet-Betrügers.

Das Telefon steht am Mittwoch nicht mehr still bei Wolfgang Göldner. Alle wollen sie vom Chef der SPD-Ortsmitte wissen: "Was ist dir nur passiert? Geht es dir gut?" So ganz ohne Geld und Papiere, gefangen im Urlaub in Zypern.

Von wegen Notlage. Göldner weilt daheim, und es geht ihm prima. Eine anderslautende Nachricht hat er nie verschickt, versichert er den Anrufern. Trotzdem muss er erkennen, jeder Kontakt aus seinem Mail-Adressbuch hat eine solche "Bettel-Nachricht" erhalten. Der OB zum Beispiel oder der Kirchenpfleger von St. Josef, das Bürgerbüro von Annette Karl, die ganze Bayern-SPD und viele mehr.

Allesamt denken sie nun, Göldner wurde in Zypern ausgeraubt und sitzt fest. Für Rückflugticket und Hotel benötigt er 1300 Euro, heißt es in der Nachricht, die in überraschend gutem Deutsch verfasst ist. Und: "Ich gebe es dir zurück sobald ich da bin. Liebe Grüße Wolfgang." Göldner ist fassungslos. Schnell hat er einen IT-Spezialisten kontaktiert. Er bestätigt: Göldners E-Mail-Account wurde gehackt. "Ich geh' jetzt zur Polizei", sagt der SPD-Mann geschockt.

"Anzeige zu erstatten, ist wichtig, um einen Nachweis zu haben, dass man für diese E-Mails keine Verantwortung trägt", sagt Hans Widder, Leiter des Kommissariats 2 (u.a. Internetkriminalität) bei der Kriminalpolizei Weiden. Er rät Betroffenen, sofort das Passwort des Mail-Accounts zu ändern und den Computer auf weitere Schadsoftware zu überprüfen. Zudem empfiehlt er Schutz-Software, die wohl im Fall Göldner gefehlt hat. "Ohne haben Angreifer ein leichtes Spiel." Mit sei man aber auch nicht vor allen Viren, Würmern und Hackern geschützt. "Da ist dann das Surfverhalten ausschlaggebend." Einschlägige Seiten seien zu meiden.

Alle, die auf solch einen Betrug hereinfallen, sollten Anzeige erstatten. Allerdings seien die Täter wegen entsprechender Verschlüsselungssoftware und Servern im Ausland in der Regel nicht ermittelbar. Im Fall Göldner scheint keiner aus dem teils sensiblen Adressenpool den Betrügern in die Falle gegangen zu sein. Nachgefragt haben aber viele Leute. "Und diese Reaktion ist genau richtig", sagt Widder von der Kripo. Denn so wissen alle Zweifler von Göldner persönlich: Es geht ihm gut.
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