Was Weidener wirklich umbringt

Das Herz streikt, der Kreislauf kollabiert oder der Krebs wuchert: Das sind die Top-Todesursachen in Weiden. Bild: Hartl

Es sterben mehr Frauen als Männer in Weiden. Krebs als Todesursache ist auf dem Vormarsch. Und psychische Krankheiten führen 2013 in der Max-Reger-Stadt vier mal häufiger zum Tod als noch 2003. Das und mehr verrät die aktuelle Statistik des Landesamtes in Bayern.

Gestorben wird bekanntlich immer. In Weiden aber immer weniger. Zumindest vermittelt der Blick auf die aktuellen Zahlen des Landesamts für Statistik zu den Todesursachen vor Ort dieses Bild: Demnach sind 514 Weidener 2013 gestorben. Das sind acht Prozent weniger als noch im Rekordjahr 2010. Damals basierte die Todesursachenstatistik auf 553 verstorbenen Weidenern. Doch wie ist das Zahlenmaterial zu beurteilen? Als "belastbar, seriös und strukturiert". So urteilte Dr. Thomas Holtmeier, Leiter des Gesundheitsamts, bereits 2010 über das Zahlenwerk. Es generiert sich aus den Totenscheinen, die Ärzte nach einer Leichenschau ausstellen und unter anderem an sein Amt überstellen. Von dort werden sie an das Landesamt weitergegeben und ausgewertet.

Dabei zeigt sich unter anderem im Zehnjahresvergleich: Es sterben nach wie vor mehr Frauen (272) als Männer (242) in Weiden.


Zu den Details:

Krebs als Todesursache (123 Fälle) schlägt dabei immer häufiger zu Buche. So erlag 2013 jeder Vierte in der Max-Reger-Stadt einem Krebsleiden. Zum Vergleich: 2003 starb von insgesamt 519 Weidenern nur jeder Fünfte an den Folgen einer "bösartigen Neubildung" .

Vor allem an Lungenkrebs sowie an Tumoren an den Genital- und Harnorganen wie Prostatakrebs starben die Weidener Männer - und das verstärkt zwischen 70 und 74 Jahren. Die Frauen dagegen hatten vornehmlich mit Brustkrebs zu kämpfen. Es gab nur fünf weibliche Todesopfer in Folge von Lungenkrebs. Damit trotzen die Weidenerinnen dem deutschlandweiten Negativtrend, nach dem immer mehr Frauen an Lungenkrebs sterben. Bösartige Tumore töteten die meisten Männer zwischen 70 und 74 Jahren. Etwa fünf Jahre später starben die meisten Frauen an Krebs.



Generell aber ist festzustellen, dass nicht die bösartigen Geschwüre die Todesursache Nummer eins sind. Vielmehr starben 2013 die meisten Max-Reger-Städter (206) an Krankheiten des Kreislaufsystems . Vor allem die Frauen (119 im Vergleich zu 87 Männer) waren hier stark betroffen. Doppelt so häufig verschieden sie wegen Herzinfarkten und ähnlichen Problemen mit der Blutzufuhr als in Folge von Krebs. Zum Vergleich: Bei den Männern war die Zahl der Todesopfer bei Kreislaufsystem-Erkrankungen (87 Fälle) nur geringfügig höher als die bei Krebs (64).

Zudem ist die Zuckerkrankheit weiter auf dem Vormarsch: 2003 starben 14 Weidener an Diabetes mellitus . 2013 waren es bereits 24. Die Todesursache traf schon immer vermehrt die Frauen (15 Fälle 2013). Aber die Männer holten auf (von 4 auf 9 Fälle ).

Auffällig ist, dass immer mehr Weidener laut Statistik in Folge sogenannter "Psychische Krankheiten und Verhaltensstörungen" aus dem Leben scheiden. "Darunter fallen zu 80 Prozent Demenzerkrankungen", erklärt Dr. Johannes Weig, stellvertretender Leiter des Gesundheitsamts. 2003 spielte diese Todesursache nur in sieben Fällen eine Rolle. 2013 gab es bereits 27 Vermerke dieser Art auf dem Totenschein. Neben Demenz spielen hier auch Depressionen oder der Konsum von Drogen eine Rolle. Vor allem Frauen (18 Fälle) waren betroffen, davon waren aber die meisten 85 Jahre und älter (12).

Apropos Alter: Gestorben wird in Weiden vornehmlich spät. Die meisten - nämlich 99 Max-Reger-Städter - waren 2013 zwischen 85 bis unter 90 Jahre alt. In die naturgemäß noch "anfälligere" Gruppe ab 90 Jahre fielen 92 Todesopfer. Oft streikte das Herz. Oder Krebs tötete. "Die Menschen werden älter. Nun erleben viele den Krebs erst", erklärt Dr. Weig.

Besonders tragisch: 2013 verstarb ein Junge unter einem Jahr. Die Todesursache war unklar. Genauso übrigens wie in den vier weiteren Fällen, in denen Weidener ungewöhnlich früh zu Tode kamen: ein Junge zwischen 1 und 14 Jahren, ein Mann zwischen 20 und 24 Jahren sowie ein Mann und eine Frau Anfang bzw. Mitte 30. Bei ihnen allen - und zehn weiteren, vor allem weit älteren Weidenern - stand auf dem Totenschein "ungenau bezeichnete und unbekannte Todesursachen" .
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