Weckruf für die Kirche

Ein Kenner des Papstes und von dessen Thesen: Theologe Norbert Arntz. Bild: Bühner

Papst Franziskus will die katholische Kirche grundlegend erneuern. Das hat sich inzwischen herumgesprochen. Was aber bedeutet dies im Einzelnen? Theologe Norbert Arntz kennt den neuen Papst persönlich. Über dessen Botschaften weiß er bestens Bescheid.

Einen "Weckruf für die gesamte katholische Kirche" nannte Norbert Arntz die Botschaften von Papst Franziskus. Auf Einladung der KEB, Kreis Neustadt und Stadt Weiden, war der Theologe und ehemalige Missionspriester in die Regionalbibliothek gekommen. "Welche Kirche will Papst Franziskus?", lautete die Fragestellung. Anhand von Kernpunkten aus dem Apostolischen Schreiben "Evangelii Gaudium" des neuen Papstes erläuterte Arntz dessen zentrale Positionen einer Erneuerung der katholischen Kirche.

Die zahlreichen Zuhörer bekamen eine Lehrstunde moderner Kirchentheologie. Zentraler Ausgangspunkt für Theologie und Seelsorge sind für Papst Franziskus "die Armen". "Ohne die Armen gibt es kein Heil, und ohne die Armen gibt es keine Kirche", erläutert Arntz das Herzstück der theologischen Lehre des Papstes. Deshalb wünsche Franziskus "eine arme Kirche für die Armen".

Mensch im Mittelpunkt

Der "Begriff Armut" sei auf alle Schwachen, Unterdrückten und generell auf Menschen mit Problemen zu beziehen. Aus dieser zentralen Position ergeben sich laut Arntz für Papst Franziskus zahlreiche Schlussfolgerungen für die Politik, Lehre und Organisation der Kirche. Der Mensch müsse im Mittelpunkt stehen. In Bezug auf unsere Wirtschaftsordnung sagt der Papst: "Die Anbetung des antiken goldenen Kalbs hat eine neue und erbarmungslose Form im Fetischismus des Geldes und der Diktatur der Wirtschaft ohne Gesicht und ohne wirklich menschliches Ziel." Arntz erläuterte dass für den Papst Geld nur die Funktion der materiellen Lebenssicherung habe, seine Vermehrung nicht systembestimmend sein dürfe.

Eine weitere zentrale Position von Franziskus betrifft die innere Ordnung der Kirche. Als "Überwindung des Zentralismus in der Kirche" bezeichnet Arntz dieses Anliegen und er zitiert Franziskus mit dessen Satz "Ich glaube nicht, dass vom päpstlichen Lehramt eine endgültige oder vollständige Aussage zu allen Fragen erwartet werden muss". "Selbst leben, was ich von anderen verlange" ist ein anderes Zitat aus dem Munde des Papstes. Dies bedeute ein anderes Selbstverständnis des Papsttums als bisher, erläuterte Arntz dazu. Mehr die Rolle "Bischof von Rom und nicht Stellvertreter Gottes auf Erden". Vor allem wolle der Papst nicht allein entscheiden - er bringe Prozesse in Gang. Und dies bedeute, "weg von der Hierarchie, hin zu den kleinen Gemeinschaften, die das Evangelium lebendig erhalten".

Fragebögen ausfüllen

"Keine Kirche nach Art der Großkonzerne" beschreibt Arntz auch diese Position. Und er zitiert den Papst mit dessen Worten, dass die Kirche "mehr der Evangelisierung der heutigen Welt als der Selbstbewahrung" dienen solle. Franziskus habe einen synodalen Denkprozess eingeleitet und weltweit an Pfarrgemeinden Fragebögen verschicken lassen. Über die soll die Weltbischofssynode beraten. Laut Arntz wurden diese Fragebögen nicht in allen Bistümern verteilt. Viele hätten sich dann die Bögen aus dem Internet besorgt. Der Experte empfahl: "Verlangen Sie von Ihrem Bischof dass er diese Bögen nach Rom weitergibt."

KAB-Vorsitzender Peter Schönberger war begeistert über die Publikumsresonanz am Abend: "Vor wenigen Jahren wären wegen einer päpstlichen Enzyklika höchstens eine Handvoll Zuhörer gekommen."
Weitere Beiträge zu den Themen: Oktober 2014 (9310)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.