Weidener Agentur als Vorbild

Hoher Besuch aus Tschechien in der Arbeitsagentur Weiden: Michaela Marksová, Ministerin für Arbeit und Soziales (Dritte von rechts), wurde mit ihrer Delegation von Klaus Beier von der Regionaldirektion Bayern (Vierter von rechts) und Weidens Arbeitsagenturchef Andreas Staible (Zweiter von rechts) begrüßt. Bild: sbü

Besser kann ein Arbeitsbesuch einer tschechischen Arbeitsministerin und ihres Stellvertreters nicht ablaufen. Die Gäste sprechen fließendes Deutsch. Kein Dolmetscher unterbricht die Gespräche. Dass sich die Ministerin fast einen ganzen Tag Zeit genommen hat, ist bemerkenswert.

(sbü) Hoher Besuch aus Tschechien in der Arbeitsagentur Weiden: Michaela Marksová, Ministerin für Arbeit und Soziales in Tschechien, kam mit Stellvertreter Jan Marek zu einem Arbeitsbesuch nach Weiden. Begrüßt wurden die Gäste durch Klaus Beier, stellvertretender Geschäftsführer der Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit, und den Weidener Agenturchef Andreas Staible.

Flüchtlingsquote im Blick

Im Mittelpunkt des sechsstündigen Gedankenaustauschs stand das Thema Integration von Flüchtlingen. "Derzeit gibt es in Tschechien zwar nur 60 bis 80 Flüchtlinge aus dem Nahen Osten und aus Afrika, die bleiben wollen, aber wir rechnen innerhalb der nächsten zwei Jahre schon mit den 1500 aus der EU-Quote", berichtet Ministerin Marksová. Nur wenige Menschen aus den Flüchtlingsströmen wollten überhaupt in Tschechien bleiben. Vizeminister Marek ergänzt: "Unser Problem sind weniger die Flüchtlinge aus Syrien, Irak und anderen aktuellen Herkunftsregionen, sondern die Ukrainer." Zehntausende seien seit vielen Jahren in Tschechien. Für sie stellten sich ähnliche Integrationsaufgaben wie für die Asylbewerber aus den Flucht- regionen. Marksová und Marek waren nach Weiden gekommen, um die Planungen der deutschen Arbeitsverwaltung zur Integration von Flüchtlingen kennenzulernen. In der tschechischen Delegation waren auch Katerina Sadilková, Generaldirektorin der Arbeitsverwaltung, sowie Zdenek Novotny, Direktor des Bezirksarbeitsamtes Pilsen.

Besuch bei Freunden

"Die Arbeitsagentur Weiden und die bayrische Arbeitsverwaltung bieten für uns die besten Beispiele, wie man die Integration von Flüchtlingen auf dem Arbeitsmarkt planen soll", sagte die Ministerin. "Und wir sind zu Freunden zu Besuch gekommen", ergänzte sie. Damit solle auch die jetzt seit zehn Jahren bestehende Eures-Grenzpartnerschaft gewürdigt werden. Zur Reform der tschechischen Arbeitsverwaltung sagte sie: "Wir müssen unsere Systeme besser machen, aber das dauert mehrere Jahre. In der Arbeitsagentur Weiden hätten ihr die Bildungs- und Integrationsbemühungen für leistungsschwächere Jugendliche, um diese möglichst lange im Ausbildungssystem zu halten, besonders gefallen. Positiv sieht Marksová auch die Integrationsbemühungen für Berufsrückkehrerinnen.

Aus Sicht der Regionaldirektion bezeichnete Klaus Beier Spracherwerb, Kompetenzfeststellung, Qualifikation und ganzheitliche Betreuung als "verzahntes System" zur Integration von Flüchtlingen. So würden "die Fachkräfte von übermorgen herangebildet", sagte Beier. Entsprechende Vereinbarungen seien mit der Staatsregierung und der Wirtschaft geschlossen worden.

Die bayerischen Arbeitsagenturen beteiligten sich daran mit einem zusätzlichen Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm. "Und wir bringen 45 Millionen Euro zusätzlich in die gemeinsame Initiative für Berufsorientierung und Bildungsangebote für Menschen mit Fluchthintergrund ein", sagte Beier. Für Staible war der Besuch Marksovás eine Würdigung der seit bald zwei Jahrzehnten bestehenden engen Kontakte. Ein weiterer Besuch der Ministerin sei geplant.
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