Weidener Mammutprozess: Anwälte fordern Freispruch
Selbst Betrugsopfer

(ca) Die Verteidiger im Weidner Prozess wegen Millionenbetrugs wollen für ihren Mandanten einen Freispruch erreichen. Die vom Staatsanwalt geforderten 15 Jahren halten sie für maßlos überzogen. Nächste Woche wird Wolfgang S. 69 Jahre alt. "Das ist für ihn lebenslänglich", so Anwalt Jörg Jendricke. Kollege Helmut Miek verwies auf das Urteil gegen "Dubai-Gabi" in Hof im März, die wegen Betrugs von 30 Millionen Euro zu 7,5 Jahren Haft verurteilt wurde. "Und sie hat sich Autos gekauft und eine Villa hingestellt."

Im Gegensatz zur Ex-Bankerin Gabriele K. aus Hof hat sich Wolfgang S. wohl selbst nicht bereichert. Das Geld seiner Investoren floss direkt auf Konten nach Singapur, Hongkong, Taiwan. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm 52 Betrugsfälle mit einem Schaden von 9 Millionen Euro vor. Weitere Fälle wurden eingestellt, weil sie nicht ins Gewicht fallen.

Nach Überzeugung der Verteidiger ist Wolfgang S. selbst einer internationalen Betrügermafia ("Nigeria-Connection") aufgesessen. Deren Story von seinem angeblichen Wahnsinnsvermögen, das er gegen vergleichsweise kleine Zahlungen auslösen könne, habe er "felsenfest" geglaubt. "Hunderte von Menschen fallen auf solche Geschichten rein." Der Angeklagte habe gutgläubig gehandelt und nicht wissentlich betrogen.

Der feste Glaube an die Millionen: Es gibt ihn noch immer. Die Anwälte hatten am Mittwochvormittag - vergeblich - noch weitere Zeugen beantragt. Unter anderem sollte ein Mann aus Ulm aussagen, der mit einem Sulzbach-Rosenberger vor acht Wochen einen Geldkoffer mit 35 000 Euro in Brüssel übergab. Zahlungszweck: ein Hongkong-Zertifikat, durch das drei Tage später 50 Millionen Euro aus dem Vermögen von Wolfgang S. fließen sollten. Das Geld kam nicht. Zur Brüssel-Reise hatte den Ulmer ein Anrufer aus Amerika - "Mitarbeiter des US-Finanzministeriums" - aufgefordert.

Am Freitag fällt die 1. Große Strafkammer unter Vorsitz von Landgerichtspräsident Walter Leupold ihr Urteil.
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