Weidens "Alterspräsident" Veit Wagner feiert 70. Geburtstag - Lieber Spenden für Flüchtlinge ...
Ein Grüner macht Weiden bunt

Lokales
Weiden in der Oberpfalz
03.08.2015
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Weiden ist bunt. Auch dank Veit Wagner, Sprecher des gleichnamigen Aktionsbündnisses. Zudem engagiert sich der ehemalige Gymnasiallehrer stark in der Flüchtlingsarbeit, die derzeit wertvoller ist denn je. Am Mittwoch feiert Wagner - der momentan älteste Stadtrat von Weiden - 70. Geburtstag. Wer ihm persönlich gratulieren will, dürfte allerdings Probleme haben.

Wie bunt wäre Weiden ohne Veit Wagner?

Wagner: Keine Ahnung. Das müssen andere beurteilen, ob die Farbe irgendwie anders wäre. Aber es gibt ja so viele, die was machen. Natürlich sind da die Dinge, die mir wichtig sind und die ich vertrete. Als ich damals nach Weiden kam, dachte ich zuerst: Um Gotteswillen! Weiden - was gibt es da? Außer Verwandte? Also gingen wir daran, Amnesty International und den Filmclub zu gründen. Amnesty besteht noch, dank vieler Mitarbeiter. Der Filmclub ist nach 20 Jahren leider eingegangen.

Sie haben sich stets für Flüchtlinge eingesetzt ...

Wagner: Seit mehr als 30 Jahren beim Arbeitskreis Asyl. Durch das neue "Netzwerk Asyl" jetzt wieder intensiver. Wir haben sehr viele Helfer, organisieren unter anderem Helfergruppen, Deutschunterricht, Begegnungsfeste, Patenschaften für Flüchtlinge. Schön wäre es, wenn die Regierung auch im Containerlager in Camp Pitman Sozialräume für Begegnungen einrichten könnte. Betroffen macht mich so eine Ankunft mit Bussen: Wenn die Flüchtlinge aussteigen, müde, abgehärmt, kaum Gepäck dabei. Es wird sicher dauern, bis sie wieder ein Heimatgefühl entwickeln.

Hat sich die Akzeptanz bei den Einheimischen über die Jahrzehnte verändert?

Wagner: Das stellen Jost Hess und ich immer wieder fest. Die Menschen sind hilfsbereiter, offener, bereitwilliger, sich auch persönlich einzubringen. Leider gibt es auch boshafte, gedankenlose und schlichtweg strunzdumme Aussagen, vor allem im Internet. Aber wenn ich mir unser "Netzwerk Asyl" anschaue: Zum ersten Treffen kamen 100 Leute. Nach einem Aufruf im "Neuen Tag" wurden uns bisher 150 Fahrräder für Flüchtlinge angeboten. Es gibt sehr viele aktive Helfer.

Wie vielen Gratulanten werden Sie denn am Mittwoch Asyl geben?

Wagner: Ich bin ja gar nicht da. Wir fahren an die Masurischen Seen. Die Familie wird ohnehin bald zu verschiedenen Festen zusammenkommen. Unser Sohn heiratet.

Was vielen nicht bewusst ist: Sie sind Weidens ältester Stadtrat.

Wagner: Ach, halt ein paar Wochen älter als die anderen - Schinabeck, Gebhardt ... Der Alterspräsident - naja ...

Ein Alterspräsident darf dem Stadtrat auch mal die Leviten lesen. Was passt Ihnen nicht?

Wagner: Das Gremium könnte noch intensiver, konzentrierter, sachorientierter arbeiten. Ich hätte gerne öfter kleinere Workshops oder Unter-Arbeitskreise, in denen man Themen in weniger formeller Form vorbereiten und durcharbeiten kann. Vieles amüsiert mich. Manches ist sehr komplex. Wir Laien entscheiden mitunter über Dinge, bei denen nur Fachleute durchblicken. Zum Beispiel bei der Finanzpolitik muss ich erkennen: Da fehlt mir viel Wissen. Aber auch da kann ich mich bei der Entscheidung nicht raushalten. Die bedrückendste Erfahrung habe ich im Aufsichtsrat der Kliniken AG gemacht: als wir die Schließung des Krankenhauses Eschenbach durchziehen mussten.

Denken Sie schon ans Kürzertreten?

Wagner: Jedenfalls reichen zwei Stadtratsperioden, eine weitere kommt nicht mehr in Frage. Alles andere, Amnesty oder "Weiden ist bunt", hört damit nicht auf. Solange ich gesund bleibe, werde ich mich engagieren. Schön sind ja die Vernetzungsmöglichkeiten. Wenn man viele Leute kennt, erleichtert das manches. Ich bin Pate eines Schulabgängers. Ihm konnte ich gerade eine Lehrstelle vermitteln. Das ist natürlich schön. Und da hilft das Stichwort "Stadtrat" durchaus.

Wenn Sie sich zum 70. etwas wünschen könnten ...?

Wagner: Gesundheit für meine Familie und mich. Und natürlich Wohlergehen für die Stadt. Ansonsten brauche ich nix: Spenden bitte an den AK Asyl oder Amnesty International. Ach ja, eines fehlt mir doch: ein funktionierender Internet-Router. Der alte ist gerade kaputtgegangen. Ohne Netzzugang ist man ein Depp.
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