Weinlesefest fällt dieses Jahr aus

Stefan Kunnert (Dritter von rechts) übergab einen Scheck über 3000 Euro an Sabine Guhl (links). Maria Seggewiß, Petra Vorsatz, Kurt Seggewiß, Dr. Günter Opel und Waltraud Koller-Girke (von links) freuten sich über die Unterstützung. Bild: otj

Eine junge Frau kommt am Freitagnachmittag in die Regionalbibliothek, mal eben CDs zurückzugeben - an einem der neuen, voll automatisierten Terminals. Sie legt die CD ins Abgabefach. Erledigt. Nanu? Nach einigen Sekunden spuckt das Gerät die Hülle wieder aus. Typische Tücken der Technik?

Ganz im Gegenteil. Ein Blick in die Hülle zeigt: Tatsächlich fehlt eine der zwei Scheiben. Die Technik funktioniert. Und auch alles andere ist nach dem Umbau auf einem guten Weg - so das Resümee einer Pressekonferenz von "Pro Libris" am Freitag. Einen einzigen Wermutstropfen gibt es allerdings: Das Weinlesefest wird erst wieder 2016 stattfinden. "Wir brauchen eine Denkpause und müssen uns den neuen räumlichen Gegebenheiten anpassen", sagte die Chefin der Regionalbibliothek, Sabine Guhl. Das Erfolgskonzept "Musik, Wein, Literatur" bleibe bestehen, solle aber noch attraktiver gestaltet werden. "Die Literatur soll mehr in den Fokus rücken."

Bücherabgabe um 2 Uhr

Rund um die Uhr können die Mitglieder nun Ausgeliehenes fristgerecht zurückbringen - und machen regen Gebrauch davon. "Es vergeht keine Stunde, in der niemand ein Buch abgibt, auch um zwei und um fünf Uhr", so Guhl. Scheinbar sind Nachtschwärmer auch Bücherwürmer. Das sei nur ein Beispiel für die Akzeptanz nach dem Umbau von seiten der Leser.

Auch OB Kurt Seggewiß war hoch erfreut über die Entwicklung. Es habe viele Sorgen und engagierte Diskussionen gegeben. "Die Wogen sind geglättet. Wir konnten die Menschen vom neuen Konzept überzeugen." Die Ausleihzahlen lägen jetzt schon wieder bei 75 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Sabine Guhl betonte die Bedeutung des neuen, automatisierten Ausleih- und Rückgabesystems. "Dafür haben wir lange gekämpft. 2000 bis 3000 Bücher am Tag zu bewegen, das geht an die Substanz unserer Mitarbeiter."

Es müsse auch niemand Angst haben, dass nun der persönliche Kontakt wegfalle. Ganz im Gegenteil: "Wir haben jetzt neue Kapazitäten für den persönlichen Kontakt. Und die Infothek ist nach wie vor besetzt." Andere Städte hätten bereits angeklopft und sich erkundigt. Regensburg ziehe nun nach. Anfängliche technische Schwierigkeiten seien ebenso ausgeräumt wie der Run auf die Geräte in den ersten Tagen. "Das hat sich enorm entzerrt. Wartezeiten sind auf ein Minimum beschränkt."

Für Stefan Kunnert, Vorsitzender von "Pro Libris", ist der Weg in eine erfolgreiche Zukunft bereitet. Das beliebte Ausleihmodell für Mitglieder des Fördervereins sei zwar weggefallen. "Aber unser neues Konzept ist stark. Wir schaffen neue Bindungsgründe." Bücher, die mit Fördergeldern angeschafft würden, bekämen beispielsweise einen Aufkleber "Ja zum Buch, gespendet von Pro Libris".

Ein Thema, das dem Förderverein auch am Herzen liegt, sind Spenden und ausgemusterte Exemplare. "Ein Buch gehört nicht in den Container, aber die Kapazitäten zur Lagerung reichen nicht aus." Deswegen würde nun das Angebot des Bücherflohmarktes ausgebaut. Einmal wöchentlich, samstags von 9 bis 12 Uhr, sollen Leser ausgemusterte Exemplare zum kleinen Preis erstehen können.

Kunnert spendet Lohn

Das sei natürlich mit einem gewissen Aufwand verbunden. Um den bewältigen zu können, setzt der Förderverein auf tatkräftige Hilfe. "Wir rufen alle Mitglieder auf, sich daran zu beteiligen. Wer mitmachen möchte, kann sich gerne unter der Telefonnummer 0961/3903013 melden", betonte Kunnert. Zum Ende der Pressekonferenz rückte der Vereins-Vorsitzende mit einer Überraschung heraus. Der Architekt war für die Umbauarbeiten zuständig gewesen. Den dafür berechneten Betrag spendete er der Regionalbibliothek.
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