Weiteres Angebot an Europa-Berufsschule: Junge Flüchtlinge und Asylbewerber lernen lateinische ...
Hilfe bei einem schweren Neuanfang

Sprachförderin Maren Kluttig (stehend) in der neugegründeten Abc-Klasse. Die jungen Neu-Oberpfälzer zeichnen sich durch großen Eifer aus.
Das gibt nicht nur bei Deutschen, sondern auch bei Flüchtlingen und Asylbewerbern: Unter ihnen sind einige, die selbst in ihrer Muttersprache nicht ausreichend lesen und schreiben können. Viele aus der letztgenannten Gruppe müssen daher eine zusätzliche Hürde bewältigen: Sie sollen nicht nur Deutsch sprechen, sondern gleichzeitig in lateinischer Schrift lesen und schreiben lernen. Genau hier leistet die Europa-Berufsschule nun Hilfe.

Neues Land, neue Schrift

An der Schule gibt es schon länger eine zweijährige internationale Förderklasse für Flüchtlinge und Asylbewerber. Damit die Integration in diese Klasse gelingt, gibt es seit diesem Halbjahr ein neues Angebot: Schülern, die in ihrem Herkunftsland keine grundlegenden Kenntnisse im Lesen und Schreiben erworben haben oder ein anderes Schriftsystem gelernt haben, können nun eine reine Alphabetisierungs-Klasse besuchen.

In dieser sogenannten Abc-Klasse werden sie mit dem deutschen Alphabet vertraut gemacht und erwerben den deutschen Grundwortschatz lesend, sprechend und schreibend. Daneben üben sie Regeln und Verhaltensweisen zur gegenseitigen Verständigung ein und lernen, sich ohne Angst im deutschen Alltag zu bewegen.

Die meisten Flüchtlinge und Asylbewerber sind erst seit Kurzem in Deutschland und kommen aus Syrien, Afghanistan, Iran oder Irak, also aus Ländern, die ein anderes Schriftsystem haben - zum Beispiel die arabische Schrift, die von rechts nach links gelesen wird. Hinzu kommt, dass diese teils traumatisierten Jugendlichen sehr unterschiedliche Voraussetzungen mitbringen: Während einige Erfahrung mit Fremdsprachen haben, sind andere nicht in der lateinischen Schrift alphabetisiert oder haben aus unterschiedlichen Gründen in ihrem Heimatland nur wenige Jahre oder gar noch nie eine Schule besucht.

Andere hingegen sind in ihrer "Heimatschrift" alphabetisiert und lernen "unsere" Schrift dann oft in wenigen Wochen. In der Abc-Klasse lernen Jugendliche aus verschiedenen Herkunftsländern gemeinsam die deutsche Sprache und Kultur kennen und können sich im Schulleben orientieren.

In der Klasse bleiben die Schüler maximal ein halbes Jahr. Danach wechseln sie in die internationale Förderklasse. An der Europa-Berufsschule erhalten derzeit 58 internationale Schüler leistungsbezogen eine intensive Förderung in Deutsch und Mathe auf verschiedenen Niveaustufen als Vorbereitung auf den Mittelschulabschluss sowie eine Berufsorientierung.

Große Motivation

Für die Schule ist das eine große Herausforderung - vor allem, weil viele der Jugendlichen auch in den "MINT-Fächern" (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) große Defizite haben. Umgekehrt lautet die Erfahrung der Lehrer, dass die Schüler der Internationalen Förderklasse unbedingt lernen wollen. "Sie sind ,total scharf' auf die Schule, auf die Sprache, das Lesen und Schreiben. Die meisten von ihnen geben sich wahnsinnig Mühe, obwohl es unglaublich anstrengend für sie ist - vor allem in den ersten Wochen -, sich jeden Schultag die ganze Zeit fast ausschließlich mit und in der neuen, fremden Sprache zu beschäftigen und fast nichts zu verstehen", berichtet die Schule. Eine Sache sei dabei besonders auffällig im Vergleich zu anderen Klassen: "Die häufigste Beschwerde in den Klassen lautet: ,Oh Mann, schon wieder Ferien!'"
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