Welche Gründe sprechen gegen das Gewerbegebiet West IV?
Contra: Sonja Schuhmacher

West IV beruht auf einer veralteten Wachstumsideologie, die meist weder vernünftige Arbeitsplätze schafft, noch den Menschen nützt.
Große Flächen ziehen nicht unbedingt gute, solide Firmen an. Wer sagt, dass sich hier nicht ein Mega-Schlachthof ansiedeln will? Oder dass ein Unternehmen große Lagerhallen baut mit nur zwei bis drei Beschäftigten? Ein großes, ökologisch wertvolles Waldgebiet zu erhalten, hat einen höheren Stellenwert. Ist es erst einmal vernichtet, dauert es mindestens 100 Jahre, bis ein vergleichbarer Wald nachgewachsen ist. 100 Hektar Wald binden jedes Jahr 1000 Tonnen CO2, produzieren 30 000 Tonnen Sauerstoff, filtern 50 000 Tonnen Staub, bilden 100 000 Liter Trinkwasser und bieten ca. zehn Beschäftigten Lohn und Brot. Zudem dient der Wald an der B 470 als Pufferzone für die ökologisch sensible Schweinenaab mit ihrem großen Artenreichtum, versorgt uns als Frischluftschneise mit guter Luft und als Filter mit klarem Grundwasser.

Sehen Sie Alternativen?

Flächenrecycling, zum Beispiel 20 Hektar bleiverseuchtes Gelände in Altenstadt, nur einen Kilometer vom Gewerbegebiet Weiden am Forst entfernt. Bahnhofsgelände Weiden, Flugplatz Weiden, Flächen neben der Autobahn. Interkommunale Zusammenarbeit: Im Umland von Weiden sind 250 Hektar voll erschlossenes Gewerbegebiet vorhanden.

Warum sind Ihrer Meinung nach die Folgen für die Umwelt nicht hinnehmbar?

Wir leben in einer Zeit eines Klimawandels, der nicht nur ökologische Räume, sondern auch unsere Zivilisation bedroht. Waldvernichtung ist hier ein No-Go, kommt gar nicht infrage, weder in Weiden noch am Amazonas. Die ungehemmte Wachstumspolitik, die für wenige immensen Reichtum schafft und viele in die Armut treibt, bereichert sich auch auf Kosten der Natur. Die Folge ist ein beispielloses Artensterben. In dem bedrohten Wald gibt es 50 Brutvogelarten (davon 19 geschützt), 16 Fledermausarten (davon 13 auf der roten Liste), mehrere Amphibien- und Reptilienarten sowie 62 Ameisenhügel. Ein Kiefernmischwald wie dieser kann aber, wenn er erhalten bleibt, die Folgen der bevorstehenden Klimaerwärmung überstehen. Die Versiegelung wird hingegen zu Hochwasser in der Weiding führen.

Geraten Weiden und die Region ohne West IV nicht ins Hintertreffen?

Nein. West IV beruht auf einer veralteten Wachstumsideologie, die meist weder vernünftige Arbeitsplätze schafft, noch den Menschen nützt. Wir sind für Qualität statt Quantität. Weiden wird gedeihen dank seiner Lebensqualität - das zieht solide mittelständische Firmen mit geringem Flächenbedarf und ihre qualifizierten Mitarbeiter an. Aber auch deren Eltern, die hier gern ihren Lebensabend verbringen - in unserer liebenswerten Stadt und der schönen Natur.

Falls sich am 9. November eine Mehrheit für das Gewerbegebiet ausspricht, dann ...

Der Ball liegt im Feld der bayerischen Staatsregierung. Sie muss dem Tausch oder Verkauf des Staatsforsts zustimmen oder ihn ablehnen. Dabei wird sich zeigen, ob das "Jahr des Waldes" nicht nur für Sonntagsreden taugt, sondern auch für echten, ernst gemeinten Naturschutz. Knapp 18 000 Menschen haben inzwischen unsere Online-Petition an den Bayerischen Landtag "Stoppen Sie die Waldvernichtung in Weiden in der Oberpfalz" unterschrieben. Dass der Bund Naturschutz auch rechtlich gegen einen solchen Präzedenzfall der Staatswaldvernichtung vorgeht, der auch andere stadtnahe Wälder in Bayern gefährden könnte, ist nicht ausgeschlossen.

Wie viel Verständnis haben Sie für die Befürworter von West IV?

Die alte Wachstumsstrategie hat bis in die 80er Jahre viel Wohlstand geschaffen. Das gilt heute nicht mehr. Langsam, vielleicht zu langsam, setzt sich die Erkenntnis durch, dass unendliches Wirtschaftswachstum in einer endlichen Welt nicht möglich ist, sondern unsere Lebensgrundlagen zerstört: sauberes Wasser, saubere Luft, gesunde Lebensmittel, eine Umwelt, in der es sich leben lässt. (rg)
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