Wenige Wege führen nach Weiden

Das Angebot an Stadtführungen steht: Darauf weist dieses Schild am Alten Rathaus deutlich hin. Nur werden das im Deutschlandvergleich nur sehr wenige Übernachtungsgäste lesen, meldet ein Nachrichtenportal. Bild: htl

"Da will niemand hin", titelt ein Nachrichtenportal und listet die 16 deutschen Städte auf, die die wenigsten Touristen haben. Inmitten der Negativliste findet sich Weiden. Nur, wie passt das mit den steigenden Gästezahlen in der Max-Reger-Stadt zusammen?

Überhaupt nicht, unterstreicht Petra Vorsatz. Leiterin des Tourismusamtes, und empört sich über den siebtletzten Platz für die Max-Reger-Stadt in der vom Nachrichtenportal "www.focus.de" veröffentlichten Studie zu den unliebsamsten Reisezielen in Deutschland: "Da werden unfaire Vergleiche angestellt. Weiden wird mit Neuschwanstein oder Mainau am Bodensee verglichen. Wir haben weder ein Schloss noch einen See - und trotzdem über 200 Touristen täglich in der Stadt."

Genau genommen waren es 204 Touristen pro Tag, die im Jahr 2013 Urlaub in Weiden gemacht haben. 74 345 Gäste kamen insgesamt in die Stadt. Die Zahlen basieren auf Daten des Landesamtes für Statistik. Sie sind also durchaus seriös. Nur das Fazit, das das Nachrichtenportal zieht, ist es nicht, findet Petra Vorsatz: "Das alles ist doch an den Haaren herbeigezogen."

Nicht in Kontext gestellt

Nicht ganz. Wer nur auf die Zahl der Hotelübernachtungen blickt, erhält genau die Auflistung, die online veröffentlicht ist. Demnach sind Städte wie Pirmasens, gefolgt von Zweibrücken, Delmenhorst oder Landau in der Pfalz, noch unbeliebter bei Urlaubern als Weiden. Die meisten Menschen wollen nach Berlin oder Hamburg. Was die Studie nicht berücksichtigt: Die Übernachtungszahlen stehen in keinem Verhältnis zur Einwohnerzahl oder zu touristischen Attraktionen, kritisiert Petra Vorsatz: "74 345 Gäste: Das sind schließlich fast zwei Mal mehr Touristen als Einwohner. Mit Tendenz leicht steigend." Kamen doch 2014 bereits 75 876 Gäste. 2015 könnte die Zahl erneut höher ausfallen, überschlägt die Leiterin des Tourismusamtes (bis August kamen 50 663), um dann vorzurechnen: "Mit jedem Touristen macht die Stadt 100 Euro Umsatz pro Tag. Damit hat Weiden 2013 immerhin 7,446 Millionen Euro an den Urlaubern hier verdient. Das ist doch eine Menge."

Vor allem ist es mehr, als Amberg 2013 an seinen Übernachtungsgästen verdient hat. Die Stadt an der Vils schneidet laut "www.focus.de" mit 66 437 Übernachtungsgästen noch schlechter in der Gunst der Urlauber ab als Weiden.

Auf und Ab für Amberg

"Echt?", fragt Petra Vorsatz. "Ich dachte, Amberg ist die lebens- und liebenswerteste Stadt Deutschlands." Stimmt. Aber erst seit März 2015. Da begeisterten sich die meisten Menschen bei einer Online-Umfrage unter www.hotel.de für die Vilsstadt. In der Folge soll dieser Sieg mehr Übernachtungsgäste nach Amberg locken. Ob das klappt, zeigt sich frühestens Ende 2015 in einem weiteren Zahlenwerk. Bis dahin will es Petra Vorsatz mit Winston Churchill halten: "Ich traue keiner Statistik, die ich nicht selbst gefälscht habe."
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