"Wenn aussteigen, dann richtig"

Bei Wolfgang Clemens sieht sogar das Mikrofon abenteuerlich aus. Bild: uz

Ein Zusammenstoß mit einem Wal, Haiattacken und Piratenangriffe. All das konnte ihm nichts anhaben. Seit 1975 segelt Wolfgang Clemens mit seiner Yacht über die Meere. Der Aussteiger lebt seinen Traum - und überlebte bisher alle Alpträume.

Menschen werden nicht selten von ihren Mitmenschen belächelt, weil sie eine andere Einstellung zum Leben haben. Weil sie nicht mit hochklettern wollen auf der Karriereleiter. Weil sie ihr Leben nicht träumen wollen, sondern es selber in den Hand nehmen - und ihre Träume leben. Wolfgang Clemens ist so einer. Er baute sich 1975 eine Yacht und ging auf Abenteuerreise.

"Als ich den Rumpf in Arbeit hatte, haben mich die Nachbarn gefragt, was ich da mache. Ich habe ihnen gesagt, ich baue mir eine Abschussrampe, weil ich zum Mond fliegen will. Manche haben's geglaubt." Wenn der Rodinger jetzt Bilder und Filme von seinen Weltreisen zeigt, machen die selben Leute lange Gesichter.

Kilometermäßig hat Clemens acht Mal die Erde umrundet. Zwölf Jahre lang hatte er an seiner 16 Meter langen Stahl-Segelyacht gearbeitet, mit der er 1987 in See stach, nicht ohne vorher sein Hab und Gut zu verscherbeln, wie er sagt. Frei nach der Devise: "Wenn aussteigen, dann richtig." So ging's nach Mallorca, zu den Kanaren und in die Karibik. Am Kanal erlebte er den Panama-Krieg hautnah mit. "Mir sind die Kugeln um die Ohren geflogen."

Dann ging's weiter über die Galapagos-Inseln in die Südsee. Wegen seiner Waghalsigkeit saß Clemens einige Male in Haft. Er überlebte einen Zusammenstoß mit einem Wal, Haiattacken und Piratenangriffe. Im Himalaya begegnete er dem Schneemenschen. Seine "Bavaria I" liegt nun zerschellt vor der Küste der Seychellen.

Im "Postkellersaal" referierte er über seine Reise von Madagaskar mit der gebraucht gekauften 11-MeterYacht nach Indochina. Dort unternahm er zahlreiche Inlandtouren mit Bus und Bahn. Der Seidenstraße folgend, bereiste er die Takla Makan Wüste, China, Kirgistan, Usbekistan, Pakistan und Indien. Weiter Birma, Tibet, Nord-China und die Mongolei.

Acht Monate dauerte der Trip, den er kurzweilig schilderte. Neben Kulturdenkmälern zeigte Clemens die Hülle und Fülle der ständig wechselnden Natur. Denn: "Die wahre Lebenslust besteht darin, im Alltäglichen das Wunderbare zu sehen."
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