Wenn Bücher alles bedeuten

Ein Abend mit dem Buch der Bücher: Juden, Christen und Muslime haben mit ihren heiligen Schriften gemeinsame Wurzeln. Welche das sind und wo es Unterschiede gibt, darüber sprachen Vertreter der verschiedenen Religionen - mit erstaunlicher Resonanz.

Nein, um Politik, um Terror sollte es nicht gehen. Aber natürlich bildeten die Anschläge von Paris den Hintergrund, als die Buchhandlung "Stangl & Taubald" zu einer Gesprächsrunde über die heiligen Schriften von Juden, Christen und Muslimen geladen hatte. Aber es dürfte nicht nur Betroffenheit, sondern echtes Interesse am Thema gewesen sein, warum zu dieser Veranstaltung rund 100 Besucher gekommen sind.

Wegweiser fürs Leben

Auch ihn hätten erst die Ereignisse von Paris auf die Idee zu der Diskussion gebracht, erläuterte der Moderator, Buchhändler Martin Stangl. Geladen hatte er Werner Friedmann von der Jüdischen Gemeinde, Imam Maher Khedr vom Deutschsprachigen Muslimenkreis sowie den katholischen Geistlichen Pfarrer Alfons Forster aus Michldorf und den evangelischen Pfarrer und Religionslehrer Dr. Volker Wappmann aus Vohenstrauß.

Friedmann erläuterte den Talmud als zentrales Schriftwerk des Judentums. Es enthalte selbst keine Gesetzestexte, sondern zeige auf, wie die Regeln der Tora verstanden und ausgelegt wurden. Die Tora wiederum sei die Hauptquelle jüdischen Rechts, jüdischer Ethik und Wegweiser für Denken und Lebenswandel sowie für Beziehungen zwischen Mensch und Gott sowie Mensch und Mensch. Die Tora - handgeschriebene Texte auf einer Pergamentschriftrolle, die auf zwei Holzstäbe gewickelt ist - beinhalte 613 Ge- und Verbote. Ihr bedeutendster Inhalt seien die fünf Bücher Mose.

Imam Khedr sprach über das Wort Allahs für 1,7 Milliarden Muslime - nichts anderes sei ja der Koran, der im Jahr 610 entstand. Er ist in 114 Suren aufgeteilt. Der Koran leite gewiss zu dem, was wichtig ist, und verheiße den Gläubigen, die das Rechte tun, großen Lohn. Er sei Verfassung und Gesetz der Muslime. Es stehe sogar darin, wie zu beten ist, welche Frau man heiraten darf, wie die Erbschaft, aber auch der Umgang mit den Menschen geregelt sein soll. Allah betrachtet die Menschen als eine Familie - egal ob Muslime, Christen oder Juden. Wer das Juden- und Christentum nicht anerkenne, werde nach dem Koran auch als Moslem nicht anerkannt, schloss der Imam.

In 2000 Sprachen

Die Bibel stellten die beiden Pfarrer Wappmann und Forster vor. Übersetzt in 2000 Sprachen, sei sie das meistgekaufte Buch der Welt. Ob es auch das meistgelesene ist - da meldeten die beiden Theologen doch Zweifel an. Wappmann erklärte, er könne nicht sagen, dass die Bibel vom Heiligen Geist geschrieben ist. Vielmehr sei sie das schriftliche Zeugnis von Jesus Christus, der selbst nichts Schriftliches hinterlassen habe.

Forster stellte fest, dass für den Wissenschaftler eigentlich jede Bibelübersetzung aus dem Hebräischen und Griechischen ein Kommentar sei. Auch gebe es inzwischen einige Sonderformen neben der eigentlichen Bibel. So zeigte Forster eine "Schülerbibel", die "God around the Clock"-24-Stunden-Bibel und sogar eine "Espresso-Bibel", für die man genau 60 Minuten Zeit zum Lesen braucht. Es sei besser, dieses Komprimierte gut zu lesen, als das ganze Werk als Museumsstück zu betrachten, sagte Forster.
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