Wenn der Strahl zum Rinnsal wird

Einen unterhaltsamen Vortrag rund um die Probleme mit der Prostata bot der Weidener Urologie-Chefarzt Privatdozent Dr. Dr. Thomas Bschleipfer den Besuchern. Bild: sbü

Noch nie gab es bei der medizinischen Vortragsreihe im Besuchercafé des Weidener Klinikums einen solch großen Zuhörerandrang. Lag es am Referenten? Oder sorgte das Thema Prostata, also diese kleine, kastaniengroße Drüse des Mannes, für den großen Andrang?

(sbü) Es ging um ein Organ des Mannes, von dem die meisten nicht wissen, wozu es überhaupt dient. Die Prostata und ihre gutartigen Vergrößerungen waren das Thema des Vortrags von Urologie-Chefarzt und Privatdozent Dr. Dr. Thomas Bschleipfer. Wer dabei war, konnte viel lernen.

Etwa über die Anatomie des Unterleibs des Mannes, über Medikamente gegen Beschwerden und über Operationstechniken. Genau die richtige Zielgruppe hörte zu. So kamen überwiegend Männer über 50 zum Vortrag in die Besuchercafeteria.

Nachts oft raus zur Toilette

Ab dem 50. Lebensjahr beginne das Wachstum der Prostata, sagte der Chefarzt. Bei jedem zweiten Mann über 60 Jahren liege eine Prostatavergrößerung vor. Bei den 80-Jährigen gelte dies schon für 90 Prozent. Allerdings sei nicht jede Prostatavergrößerung mit Beschwerden verbunden. Doch immerhin klage schon bei den 65-Jährigen jeder Dritte mit vergrößerter Prostata auch über Beschwerden. Und das sind? "Häufig führt eine vergrößerte Prostata zu einer Verengung des Blasenauslasses. So kommt es zu Schwierigkeiten beim Wasserlassen", erläuterte Bschleipfer. Häufiger Toilettengang besonders nachts, Verringerung des Harnstrahls und ständiger Harndrang bis hin zum schmerzhaften Harnverhalt können die Folgen sein. Ob die Prostata dafür tatsächlich ursächlich ist, muss abgeklärt werden, empfahl Bschleipfer.

Mit dem "IPSS-Fragebogen" könne das Risikopotential eingeschätzt werden. Gemessen wird die Größe der Prostata in Millilitern. In jungen Jahren umfasse sie 20 Milliliter, ist "esskastaniengroß" und wiege rund 20 Gramm. Bei 80-Jährigen könne sie schon einmal 100 Milliliter umfassen. Das zwischen Blase und Harnröhre angesiedelte Organ besteht aus rund 50 Einzeldrüsen, produziert ein Sekret ("30 Prozent des Ejakulats"), das für das Überleben der Spermien und für deren Beweglichkeit sorgt. Untersuchungsmethoden sind laut Bschleipfer "körperliche Untersuchung, Ultraschall, Urin-und Blutuntersuchungen, Urinflussmessungen, Restharnbestimmung und Blasendruckmessung. Nur bei rund 10 Prozent der Krankheitsfälle werde Krebs diagnostiziert.

Sehr ausführlich ging der Referent auf die Therapien ein. Konservative Therapien seien beispielsweise "Flüssigkeitszufuhr regulieren und über den Tag verteilen sowie Flüssigkeiten vermeiden, die Urin produzieren, etwa viel Wasser". Genannt wurde auch "Ausstreichen, um Nachträufeln beim Urinieren zu vermeiden, und Blasentraining". Medikamente aus der Naturheilkunde wie Kürbissamen oder Sägezahnpalme "bringen vor allem der Apotheke etwas" und nützten nur, wenn keine Probleme bestünden. Die verfügbaren chemischen Medikamente veränderten selten die Größe der Prostata und seien in Kombination, auch mit Potenzmitteln, am wirksamsten. Sie müssten über einen langen Zeitraum eingenommen werden.

Laser für Prostata

Operationsverfahren seien hauptsächlich Elektroresektion ("Aushobeln mit elektrischer Schlinge") und das Laserverfahren. Ein Laser der neuesten Generation steht in Weiden mit dem "Greenlightlaser" inklusive dreier verschiedener Operationstechniken zu Verfügung. Besonders bei älteren und kranken Menschen würde sich dieses Verfahren anbieten. Die Blutungswahrscheinlichkeit sei dabei extrem gering, allerdings könnten noch sechs Wochen "Nachbeschwerden" auftreten. "Stents in der Harnröhre haben sich nicht durchgesetzt", sagte Bschleipfer. Auch nach Beseitigung der Beschwerden müsse weiterhin Krebsvorsorge betrieben werden.
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