Wenn der Wald Wege braucht

Schaut zwar vogelwild aus, macht aber durchaus einen Sinn. Mit einem geschotterten Weg, wie er hier entsteht, wird Wald in Privatbesitz erschlossen, damit diese Flächen bewirtschaftet werden können. Bilder: Hartl (3)

Tiefe Furchen im Boden, eine breite Schneise - so mancher, der in den Wald blickt, wundert sich. Oder ärgert sich. Kahlschlag in der Natur? Stimmt schon, dient aber der Natur.

Ein Wort fällt häufig, wenn Michael Bartl, Leiter des Forstreviers Kastl, von Waldbewirtschaftung spricht: Nachhaltigkeit. Das bedeutet nichts anderes, als dass der Wald auch in der Zukunft noch seine wertvolle Aufgabe erfüllen soll. Die Waldbewirtschaftung hat sich längst geändert. Waren es früher Pferde und kleine Schlepper, die geschlagene Bäume aus dem Wald gezogen haben, so sind es heute vielfach Rückemaschinen oder Harvester, wie die Vollernter genannt werden. Michael Bartl, der am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) als Privatwald-Beratungsförster tätig ist, erklärt das Problem, das durch Pferde und Schlepper aufgetaucht war. "Bei diesen Arbeiten wurden viele Bäume angerandelt."

Der Forst-Experte steht an der Kreisstraße AS 2 bei Garsdorf und deutet auf eine Schneise im Staatswald, die parallel zur Fahrbahn verläuft: eine sogenannte Rückegasse. Per Forewarder, wie die Rückemaschinen auch heißen, werden die Stämme rausgebracht. Zurück bleibt das Kronenmaterial, das verfault und somit weiterhin Teil des natürlichen Kreislaufs ist. Auf der anderen Seite der Straße ein anderes Bild: tiefe Furchen im Boden und eine breite Schneise, die in den Wald, der in Privatbesitz ist, hineinführt. "Hier wird ein Waldweg entstehen", sagt Bartl.

Dieser geschotterte Weg ist wichtig für die Privatwaldbesitzer, damit sie ihren Wald bewirtschaften können - möglichst nachhaltig. Und auch die Menschen würden diese Waldwege schätzen, Spaziergänger genauso wie Radfahrer und Reiter. Um geschlagenes Holz aus dem Wald abzutransportieren, benötigen die Besitzer Forstwege. "Dafür gibt es erhebliche Zuschüsse", sagt Bartl. Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten übernimmt für solche Projekte die Bauleitung ("Das ist der einzige Bereich, wo wir etwas kosten"). In diesem Bereich, der zum Hirschwald gehört, haben sieben Waldbesitzer ihre Flächen.

Vor einem Jahr war der Wunsch an das Amt herangetragen worden, dort einen Weg zu realisieren. Das ist nicht so einfach und geschieht nicht von jetzt auf gleich. "Das muss mit der Straßenbaubehörde, mit dem Naturschutz und dem Wasserwirtschaftsamt abgesprochen werden", so Bartl. Nicht gebaut werden dürfte, wenn sich dort gesetzlich geschützte Biotope oder Überschwemmungsgebiete von Flüssen befänden. "Der Waldwegebau darf auch nicht unsinnig sein", sagt er und erklärt, was damit gemeint ist: "Kosten und Nutzen müssen stimmen."

Für den Waldwegebau an der AS 2 standen keine Hindernisse im Weg, so dass mit dem Trassenaufhieb begonnen werden konnte. Dieser ist acht Meter breit, wobei die spätere Fahrbahnbreite drei Meter betragen wird. Mit dem 620 Meter langem Weg würden 34,4 Hektar erschlossen. "Vor ein paar Jahren haben wir einen vier Kilometer langen Weg realisiert, das war fast schon ein Wegenetz." Erschlossen worden seien damals fast 100 Hektar. (Hintergrund)
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